Film // Bad Boy Kummer : Böser, böser Junge
Von Matthias LeitnerMike Tyson spricht über Körperintelligenz, Sean Penn über Langeweile und Pamela Anderson über Trampolins - Tom Kummers Interviews waren ein Ereignis. Bis vor knapp zehn Jahren aufflog: Kummer hat alles erfunden.
Er war selbst einmal ein Star: Tom Kummer hatte in den 90ern mit seinen Interviews alle namhaften Redakteure beeindruckt, die Leser verzückt und als Autor den Ruhm geerntet. Seine Gespräche mit Sean Penn, Kim Basinger, Nicolas Cage oder Mike Tyson wurden im Magazin der Süddeutschen, in der ZEIT und vielen anderen renommierten Blättern gedruckt. Der Haken daran: die Interviews waren allesamt frei erfunden. Als der Schwindel im Jahr 2000 aufflog, war die Aufregung groß, Redakteure wurden gefeuert und Kummer war als ausgemachter Betrüger nicht mehr vermittelbar.
Den werde ich knacken
Bei der Wahl eines Titel für seine Autobiographie beweist der Interview-Erfinder Humor und die Fähigkeit zur Selbstironie: "Die Memoiren eines Tennislehrers mit Vergangenheit". Mittlerweile lebt Kummer nämlich in Los Angeles und verdient sein Geld als Tennistrainer. Ebenso gewitzt und sympathisch wie er sich in seinem Buch darstellt, wirkt er auch in Miklós Gimes Dokumentation "Bad Boy Kummer".

Bild: W-Film
Regisseur Gimes hatte sich für die Dreharbeiten vorgenommen, Kummer "zu knacken". Er wollte von Kummer eine Beichte und eine Erklärung dafür, warum ein so talentierter Journalist Redaktionen und Leser systematisch betrogen hat. Doch Kummer spielt nicht mit, man merkt ihm im Film zwar an, dass er noch immer mit seiner Vergangenheit kämpft, doch wirklich auseinandersetzen mit dem Thema will er sich nicht. Noch heute hält er seine Fake-Werke für "richtig gute Interviews".
Schwitzen und lachen
Irgendwie hat Kummer damit auch recht - seine Texte haben Humor und Tiefe, nur journalistisch sind sie eben nicht. Aber Kummer ist das egal, er wünscht sich, dass im Journalismus auch das Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit seinen Platz haben muss, nennt das Prinzip einfach Borderline-Journalismus und sagt: Lieber unterhalten als langweilen.
An dieser sturen Haltung scheitert letztlich der Aufklärer Gimes. Denn von einem Typen wie Kummer sind keine Schuldeingeständnisse zu erwarten. Eine Freundin des gescheiterten Journalisten bringt es im Film dann endlich auf den Punkt, als sie sagt, dass es Kummers größter Fehler gewesen sei, sich nicht für ein Leben als Künstler entschieden zu haben. "Bad Boy Kummer" ist am Ende nicht die große Abrechnung geworden, die sich Gimes selbst erwünscht hat, dafür aber das unterhaltsame Porträt einer zwielichtigen Figur: eines sympathischen Hochstaplers und tragischen Selbstzerstörers.
"Bad Boy Kummer" läuft ab dem 5. Mai 2011 im Kino.
Das müsst ihr sehen: Filme über Hochstapler
1. "Schtonk!" (1992) – Die absurd-komische Verfilmung des Skandals um die Veröffentlichung gefälschter Hitler-Tagebücher. Helmut Dietl zeigt die Affäre um den Kunstfälscher Konrad Kujau (im Film Fritz Knobel) als eine Mischung aus Freakshow, Gesellschaftsanalyse und Medienkritik. Götz George und Uwe Ochsenknecht glänzen in den Hauptrollen.
2. "Catch me if you can" (2002) – Frank W. Abagnale gilt als jüngster Hochstapler und Scheckfälscher der Geschichte. Leonardo DiCaprio spielt Abagnale und Tom Hanks seinen Verfolger, den FBI-Agenten Carl Hanratty. Regisseur Steven Spielberg hat sich den Spaß nicht nehmen lassen und in einer kleinen Szene Abagnale persönlich vor die Kamera geholt.
3. "Shattered Glass" (2003) – Als herauskam, dass der Journalist Stephen Glass mehrere Artikel für das amerikanische Politikmagazin The New Republic gefälscht hatte, war seine Karriere natürlich beendet. "Shattered Glass" ist eine gelungene Charakterstudie und Star Wars-Jedi Hayden Christensen überzeugt in der Hauptrolle.
