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Film // Naokos Lächeln Schicker Tod in dunklen Wäldern

Von Matthias Leitner

Jede Aufnahme ein Gemälde: Die Verfilmung von Haruki Murakamis Roman "Naokos Lächeln" glänzt und schimmert in jeder Sekunde. Hinter der perfekten Oberfläche lauern aber Sex, Tod und tiefe Trauer.

Szene aus dem Film

Japan in den 60er Jahren: Die drei Freunde Toru (Kenichi Matsuyama), Kizuki (Kengo Kora) und dessen Liebe Naoko (Rinku Kikuchi) sind unzertrennlich. Doch plötzlich begeht Kizuki scheinbar grundlos Selbstmord und die Welt ist für Toru und Naoko nicht mehr wie sie zuvor war. Beide gehen daraufhin unabhängig voneinander nach Tokyo, um zu studieren - und verlieren sich aus den Augen. Eines Tages aber treffen sie sich in Tokyo zufällig wieder, spazieren ein paar Mal gemeinsam durch die Stadt und verbringen, an Naokos 20. Geburtstag, eine Liebesnacht miteinander - doch dann, am nächsten Morgen, ist Naoko spurlos verschwunden.

In norwegischen Wäldern

"Naokos Lächeln" basiert auf Haruki Murakamis Roman, der im Original eigentlich "Norwegian Wood" heißt - was auch ein viel treffender Titel wäre. Toru hat sich zwar in Naokos Lächeln verliebt, doch vielmehr ist es der Beatles Klassiker "Norwegian Wood" (This Bird Has Flown), der Toru immer wieder in den Sinn kommt: Immer dann, wenn er sich an die gemeinsame Vergangenheit erinnert und sich in die Wälder seines früheren Lebens wagt, um sich darin zu verlaufen.

Szene aus dem Film

Und genau diese schneeweißen Vergangenheits-Wälder voller Trauer sind es, in die sich auch Naoko aus dem Leben flüchtet: Nach der Liebesnacht mit Toru weist sie sich in ein Sanatorium ein, in dem sie sich selbst und ihre Zukunft vollkommen verliert – auch wenn Toru sie darin wiederfindet.

Eingeschlossen in Gemälden

So abstrakt, wie sich die Geschichte der beiden Liebenden liest, so distanziert bleibt auch der Zuschauer bei der Betrachtung des Filmes. Es wirkt so, als hätte der Regisseur Trần Anh Hùng die Figuren in prachtvoll inszenierten Bildern eingeschlossen, verdammt zu unantastbarer Schönheit. Das ist zwar beeindruckend anzuschauen, lässt einen am Ende des Filmes aber letztlich kalt. Denn irgendwie mag die pompöse Optik nicht zum eigentlichen Thema des Films passen: Sex, körperliche Leidenschaft und die dahinter verborgenen Emotionen - oder konkret im Falle Naokos, die körperzerrütende Kraft der Trauer. Denn darum geht es in Film wie Roman eigentlich in jeder Sekunde.

Szene aus dem Film

Leidenschaft ist aber nur schwer herzustellen in unterkühlter Ästhetik und Trauer ist kein elegisches Gemälde, sondern ein tiefer, abgründiger Blick ins Reich des Todes. Diesen Blick verstellt die Inszenierung aber und verhindert dadurch den emotionalen Zugang zu den Figuren. In der Romanvorlage "Norwegian Wood" hingegen lässt das feine Prosagewebe Murakamis den emotionalen Blick unmittelbar zu. Hinter Murakamis Worten kann sich der Regisseur Trần Anh Hùng aber nicht verstecken, er muss für die Geschichte angemessene Bilder sprechen lassen. Daran scheitert er - in Schönheit.

Das müsst ihr sehen: Filme von Trần Anh Hùng.

1. "Der Duft der grünen Papaya" (1993) – Die Geschichte des Mädchen Miù, das in den 50er Jahren als Dienstmädchen nahe Saigon bei einer reichen Familie arbeitet. Eine Familienchronik und eine Hymne an die Natur, gesehen durch die Augen eines kleinen Mädchens.

2. "Cyclo" (1995) – Ein Vollwaise wird zum Arbeitssklaven einer Unterweltkönigin. Er wird Zeuge von Folter, lebt im Dreck und seine Schwester wird in die Prostitution gezwungen. Gewalttätig und bösartig ist die Welt in "Cyclo", gefilmt direkt und ohne Erbarmen.

3. "Ein Sommer in Hanoi" (2000) - Drei Schwester und ein Bruder treffen sich am Todestag der Mutter: Alle haben ihre Geheimnisse, alle sehnen sich nach Liebe, alle sind im Herzen verletzt. Ein wunderbar trauriger Film, in atemberaubenden Bildern – wie alle Filme von Trần Anh Hùng.


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