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Film // Company Men Manager am Abgrund

Von Matthias Leitner

Ben Affleck und Tommy Lee Jones sind die "Company Men" - Manager gefangen in maßgeschneiderten Anzügen und falschen Idealen. "The West Wing"-Schöpfer John Wells zeigt Dramen aus der Finanzkrise. Viel Stoff für 90 Minuten. Zu viel?

Szene aus dem US-Drama

Es ist ein schöner Morgen an der Ostküste von Amerika. Vor herrschaftlichen Häusern stehen schnittige Sportwägen neben manikürten Rasenflächen. Hinter diesen idyllischen Erfolgsfassaden bereiten sich die Manager des Schiffbauunternehmens GTX auf einen Arbeitstag voller Bilanzen, Börsenkurse und Wachstumsprognosen vor. So freut sich Bobby Walker (Ben Affleck) über eine gelungene Frühstücks-Golfrunde und kommt in bester Stimmung zur ersten Konferenz des Tages. Wenig später verlässt Bobby das Firmengelände als geprügelter Hund mit einem Pappkarton in den Händen: Er ist gefeuert.

Das gute Gewissen

Aber Bobby ist nicht der einzige. Mehrere tausend Konzernangestellte werden für die Dividenden der Aktionäre und künstlich hohe Kurse geopfert. Gene McClary (Tommy Lee Jones), einer der Mitbegründer von GTX, muss verständnislos mit ansehen, wie sein früherer Weggefährte und jetziger Konzernchef den gemeinsamen Lebenstraum langsam zerschlägt. McClary symbolisiert das gute Gewissen einer seelenlosen Umwelt: er plädiert für Investitionen in Krisenzeiten, wehrt sich gegen Massenkündigungen und gegen die eiskalte Strategie, den Börsenkurs künstlich hochzuhalten, um feindliche Übernahmen abzuwehren. Doch McClary ist das Relikt einer vergangenen Zeit, sein Unternehmerethos aus Verantwortung und Fürsorge zählt nichts im Hier und Jetzt. Paradox an seiner Situation ist, dass er selbst bei der sogenannten Unternehmenskonsolidierung gut wegkommt - immerhin ist er einer der Hauptaktionäre.

Die Suche nach Menschlichkeit

Hinter den "Company Men" steckt Autor und Regisseur John Wells, der seit seiner Serienschöpfung "The West Wing" als anerkannter Fachmann für Intrigen aller Art gilt und der das erwiesene Talent hat, komplexe Themen spannend zu verpacken.

In "Company Men" möchte Wells jetzt die innere Logik amerikanischer Konzerne in Krisenzeiten entschlüsseln und widmet sich dafür ganz den privaten Problemen seiner Figuren – denn was anderes ist ein Konzern als eine Gruppe von Individuen, versammelt in einem Organigramm? Ein unkontrollierbares Monstrum könnte die spontane Antwort nach "Company Men" lauten - denn die Protagonisten sind allesamt gefangen in Fremdzwängen, in nach Prämissen der Marktwirtschaft maßgeschneiderten Lebensentwürfen und Idealen die nicht die ihrigen sind.

Gerne noch mehr

"Company Men" ist ein gelungener Kinofilm, hätte aber auch eine tolle Fernsehserie werden können und vielleicht sogar sollen. Denn mitunter wirkt der Plot ein wenig überladen für 90 Kinominuten: zu viele Figuren kämpfen mit zu großen Konflikten in zu kurzer Zeit. Gerne hätte man Bobby Walker noch länger dabei zugesehen, wie er realisiert, dass seine Lifestyle-Blase unwiederbringlich geplatzt ist und er sein bisheriges Leben nur auf Pump geführt hat, ohne Substanz und wirkliche Ziele. Gerne hätte man mehr über die Intrigen und Psychologie eines Konzerns erfahren und die Entscheidungen hinter den Kulissen hautnah miterlebt – vielleicht wäre dann aus Konzernchef Salinger mehr geworden als nur ein zynischer Bösewicht.

So wirkt der Film ein wenig gequetscht, wie ein XL-Unternehmer in einem Anzug Größe L - maßgeschneidert ist das natürlich nicht. Manchmal wirkt es zwar sehr sympathisch, aber auch nur dann, wenn beim Träger das Herz am richtigen Fleck sitzt. Und das ist bei "Company Men" der Fall.

Das müsst ihr sehen: Krisenfilme

1. "Let's make money" (2008) – Geld arbeitet nicht. Das zeigt der Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer, indem er den Kreislauf des Geldes um den gesamten Globus nachzeichnet. Geld arbeitet nicht, sondern Mensch und Natur werden ausgebeutet.

2. "Up in the Air" (2009) – Ryan Bingham feuert Menschen für insolvente Unternehmen. Das ganze Jahr verbringt er in Hotels und an Flughäfen. Sein Leben ist leer und er selbst hat das noch gar nicht begriffen. Überragende Tragikomödie mit George Clooney.

3. "Inside Job" (2011) – Charles H. Fergusen heftet sich in dieser Dokumentation an die Spuren der Finanzkrise. Er befragt Banker, Aktionäre und Unternehmer zu den Gründen - und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Dafür gab es 2011 den Oscar.


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