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Film // "Tom meets Zizou" Vom Fußball-Shootingstar zum glücklichen Menschen

Von Matthias Leitner

Sieben Jahre lang hat Filmemacher Aljoscha Pause den Fußballer Thomas Broich begleitet. Der Film "Tom meets Zizou" zeigt eine gescheiterte Karriere und einen Menschen, der trotz aller Niederlagen gewonnen hat.

Tom meets Zizou

"Tom meets Zizou" ist die Langzeitbeobachtung eines Gescheiterten – zumindest, wenn man seine Laufbahn an den gängigen Erfolgskriterien des Profifußballs und der Medien misst. Als Thomas Broich seine Karriere startet, ist er ein hochbegabter Sportler. Die deutsche Presse handelt ihn als Zukunft-des-deutschen-Fußballs, nennt ihn in einem Atemzug mit Philip Lahm, Lukas Podolski und Sebastian Schweinsteiger. Die Medien taufen ihn "Mozart", weil er sich in seiner Freizeit für Literatur und Musik interessiert. Doch Broich lässt sich nicht auf eine Rolle festlegen – damit entspricht er nicht den Erwartungen, Medien und der Bundesliga wenden sich von ihm ab. Kurze Zeit später folgt eine Depression.

Karriere im Zeitraffer

Sieben Jahre lang hat Dokumentarfilmer Aljoscha Pause den Gazetten-Mozart Thomas Broich begleitet. Dessen Karriere beginnt 2003 bei Wacker Burghausen. Von dort wechselt er 2004 zu Borussia Mönchengladbach und gilt schon bald als Kandidat für die Nationalmannschaft. Schnell wird für Broich eine Schublade gefunden: der intellektuelle Fußballer. Weil es Broich in Interviews schafft, zwei klare Sätze am Stück zu artikulieren, weil er gerne Bücher liest und klassische Musik mag, wird er zum Fußball Mozart stilisiert. Broich gefällt sich in der Rolle, lässt sich gerne auf affige Fotoshootings ein und merkt dabei gar nicht, dass er selbst den Grundstein für seinen Abstieg legt.

Verletzt und depressiv

Tom meets Zizou

Als es sportlich dann mal nicht so läuft, weil Verletzungen Broich zurückwerfen, wird es schwierig für den Shooting-Star. Mit dem Holländer Dick Advocaat kommt ein Trainer zur Borussia, der nur Broichs Medienimage kennt und nicht mag. Broich eckt an, sitzt immer öfter auf der Bank und flüchtet schließlich zum 1. FC Köln in die zweite Liga. Seine letzte Station in der Fußball Bundesliga ist der 1. FC Nürnberg. Doch in Franken wird Broich niemals wirklich heimisch, ist eigentlich immer verletzt und fällt in eine tiefe Depression. "Dass ich fast mal Nationalspieler war, das ist unvorstellbar. Ich fühle das nicht mehr", sagt er sichtlich mitgenommen.

In einem letzten Versuch sich selbst zu retten, flieht Broich aus Deutschland und wechselt nach Australien zu Brisbane Roar. Dadurch gelingt ihm der Wandel: 2011 wird er mit Brisbane Roar australischer Meister und zum zweitbesten Spieler der Liga gewählt.

Schutzlos und ungeschminkt

Was die Dokumentation "Tom meets Zizou" so besonders macht, ist Broichs Ehrlichkeit. Zu jeder Sekunde weiß man als Zuschauer, dass hier ein Mensch unverstellt und offen über sein Leben spricht. Auch Broichs Allüren und Eitelkeiten zu frühen Bundesliga-Zeiten werden durch seine sympathische Naivität nachvollziehbar. Immer ist spürbar, dass der Regisseur Aljoscha Pause mit großer Fürsorge und Freundschaft für seinen Protagonisten filmt. Er stellt Broich nicht aus, macht ihn nicht zum Spielball seiner Dokumentation. "Tom meets Zizou" zeigt wie ein sensibler Mensch in der Entertainment-Industrie Fußball falsche Entscheidungen trifft, an Erwartungshaltungen zerbricht und am Ende als geläuterter und bescheidener Mensch an Größe gewinnt. Eine solche Dokumentation hat es über das Fußballbusiness bisher noch nicht gegeben.

Das müsst ihr sehen: Fußballfilme

1. "Maradonna by Kusturica" (2008)– Ein größenwahnsinniges Fest der Selbstbeweihräucherung. Emir Kusturica hat wohl einen der seltsamsten Filme seiner Karriere gedreht und mit Maradonna einen Freund gefunden der mit seinem eigenen Wahnsinn konkurrieren kann. Fußball-Gott trifft Regie-Exzentriker.

2. "Looking for Eric" (2009) – Ken Loach lässt Eric Cantona aus der Dampfwolke eines Joints einem depressiven Fußballfan Lebenstipps geben. Auch die für Loach typische Sozialkritik kommt nicht zu kurz. Diese Mischung aus surrealem Witz und Naturalismus macht "Looking for Eric" zu einem Highlight.

3. "The Damned United" (2009) – Oscar Gewinner Tom Hooper ("The King`s Speech") setzt dem englischen Trainer Brian Clough ein zwiespältiges Denkmal. "The Damned United" ist ein Film über Kabinenintrigen, brutalen Konkurrenzkampf und Eitelkeiten an der Seitenlinie.


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