Ebow in der 9. Staffel on3-startrampe : Bass-Basar im Orient-Express
Die Münchner Rapperin Ebow ist mit türkischen Woll-Hausschuhen in den Fußstapfen der Sound-Kosmopolitin M.I.A. unterwegs. Mit ihren plakativen Songs kann sie Dönerbuden ebenso aufmischen wie Kunstakademie-Partys.
Zu den Helden der 21-jährigen Architekturstudentin gehören neben M.I.A. auch die Berliner Band Mia., der tote US-Rapper 2Pac und die türkische Popsängerin Nil Karaibrahimgil. Während ihrer Bar-Schichten bei den berühmt-berüchtigten Partys des Münchner Künstlerkollektivs "Zombocombo" lernte Ebow außerdem den krautigen Disco-Elektro-Sound der Band Pollyester kennen und lieben. Die Verbindung dieser unterschiedlichen Einflüsse macht Ebow zu Ebow.
"Man sagt, ich sei so different"
All die Klischees, die junge Frauen aus türkischen Familien als unterdrückte Kopftuchmädchen stilisieren, treffen auf Ebow natürlich nicht zu. Trotzdem spielt sie gerne damit. Zum Beispiel, wenn sie im Text ihres Songs "Kebap" die Perspektive eines muslimischen Mädchens einnimmt, das zwar im Besitz einer getürkten Louis Vuitton-Tasche ist, aber nicht in die Disco darf. Als Sprachrohr ausgegrenzter Migrantenkinder will Ebow aber nicht instrumentalisiert werden und auch auf braven Multikulti-Rap hat sie keinen Bock. Dafür versteht sie sich viel zu sehr als Punker. Aufgewachsen ist Ebow in einer liberalen alevitischen Familie. Die Aleviten sind eine religiöse Minderheit in der Türkei, zu deren Werten die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Toleranz gegenüber Andersgläubigen gehören.
"Orientalische Schätze ist das, was ich dir gebe"
In ihrem Elternhaus lief viel orientalische Musik. Kein Wunder also, dass Ebow zusammen mit ihrem Produzenten Nik Graf alias "Digital Pusher" auf die Idee kam, fette Elektro-HipHop-Beats mit arabischen und türkischen Samples aufzupeppen. Auch mit orientalischen Flöten kann man schließlich ganz hervorragend Krawall machen. Ein Traum von ihr ist es, einmal mit einem Musiker aufzunehmen, der orientalische Instrumente wie zum Beispiel den Santur, eine Art persisches Hackbrett, im Studio für sie einspielen kann.
"Ihr seid mir alle viel zu langsam"
Ebows durchgängig hoher Anspruch in Sachen Wortwitz und Aussagekraft sorgt dafür, dass man als Besucher eines ihrer Konzerte kaum Zeit hat, sich darüber zu wundern, dass sie mit türkischen Hausschuhen die Bühne betritt. Die Texte bringen den Kopf in Bewegung, die Beats den Körper. Bis man sich selbst dreht wie ein Dönerspieß.



