Plattenkritik // Sepalot - Chasing Clouds : Ein verdammt guter Produzent
Von Franz LieblStilvielfalt, Wiedererkennbarkeit, Geschmackssicherheit - alles, was ein guter Produzent braucht, vereint der Blumentopf-DJ Sepalot auf seinem neuen Soloalbum "Chasing Clouds". Und Hits sind auch noch drauf. Wir sind begeistert.
Dieses Album ist eine Bombe. Aber um "Chasing Clouds" richtig zu verstehen, müssen wir nochmal in der Sepalot-Diskographie stöbern. Der Münchner Produzent hat schon sechs HipHop-Alben mit Blumentopf gemacht. Ein Soul-Pop Album mit Esther, ein Album mit Neo-Soul Versionen von AC/DC Songs, eine Munich Disco Rap EP mit Frank Nitt, eine Blasmusik EP mit dem Topf, ein Beattape mit zerstückelter bayerischer Musik.
Stilvielfalt und Wiedererkennbarkeit
Die unterschiedlichsten Stile drauf zu haben, das gehört zu jedem guten Produzenten. Dass man eben nicht nur den immer gleichen Beat neu variiert, wie das zum Beispiel seit gut 10 Jahren ein DJ Premier macht. Davon ist Sepalot mit seinen Produktionen weit entfernt. Und "Chasing Clouds" macht klar: Er ist einfach ein verdammt guter Produzent.
Auf "Chasing Clouds" wechseln sich abstrakte, instrumentale Beat-Studien mit clubbigen Pop-Nummern ab, die mit ihrem Soulgesang abheben wollen. Die Münchner Sängerin Esther ist natürlich mit dabei, die neuseeländische Soullady Ladi6 und der noch unbekannte Hanz Gable aus Brooklyn. Hochkarätige amerikanische Undergroundrapper wie Fashawn und Buff1 holen das Ganze wieder auf die Straße zurück.
Diese Mischung wirkt zuerst wild, aber "Chasing Clouds" klingt wie aus einem Guss. Noch so ein Merkmal eines wirklich guten Produzenten. Die eigene Handschrift. Egal, ob beim HipHop Track "Clocks Ticking feat. Buff1", der House Nummer "You Shine feat. Esther" oder der Radio-Hit "Rollercoaster feat. Hanz Gable". Schon nach wenigen Sekunden wird klar: Das ist ein Sepalot Beat.
Geschmackssicherheit und die richtige Mischung
À propos Radio-Pop. "Rollercoaster" rüttelt am goldenen Gittertor des Pop-Olymps: "Da will ich rein!" Sepalot, neuerdings ein Glanzlack-Produzent? Von wegen! Wer die letzte Blumentopf-Platte gehört hat, der weiß: Sepalot hat das schmutzige, warme Sample wiederentdeckt. Auf der auf dem Majorlabel EMI erschienenen Scheibe "Wir" hat es teilweise ziemlich gerauscht und plattengekratzt. Auf "Chasing Clouds" kultiviert Sepalot das weiter und biedert sich somit keine einzige Sekunde an.
"Chasing Clouds" ist eine sehr entspannte, unaufdringliche Platte geworden, behutsam überlegt und zusammengestellt. Die kitschigen Wattewölkchen sind in Sichtweite, aber immer vorne weg. Es ist wie beim Wanderausflug in der Schule. Ganz vorne am Lehrer kleben die Schleimer. Die Coolen laufen hinterher - und kommen trotzdem am Gipfel an.
