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Film // Hell Endzeit in Deutschland

Von Matthias Leitner

Die Sonne verbrennt die Erde, alles ist Wüste - das zeigt "Hell", ein apokalyptischer Thriller, der nicht Sozialanalyse sein will, sondern einfach gutes Genrekino zeigt. Regisseur Tim Fehlbaum heizt seinem Publikum mächtig ein.

Hell von Regisseur Tim Fehlbaum

Hellgelb brennt die Sonne auf die Erde. Im Jahr 2016 hat das Himmelsgestirn die Temperaturen um zehn Grad Celsius in die Höhe getrieben. Auch in Deutschland gibt es kaum mehr Wasser, alle Pflanzen sind verbrannt, Tierkadaver schmücken die Landschaft. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, hat aufgehört zu existieren. Die Schicksalsgemeinschaft um Marie (Hannah Herzsprung), ihre jüngere Schwester Leonie (Lisa Vicari) und Philip (Lars Eidinger) hat gerade noch genug Benzin, um die letzten Kilometer in Richtung Berge zu fahren - dort hoffen sie Wasser zu finden.

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Als die Gruppe an einer verlassenen Tankstelle halt macht, werden sie von einem unheimlichen Fremden überfallen: Tom (Stipe Erceg) versucht, der Gruppe Lebensmittel zu klauen – es kommt zum Kampf zwischen ihm und Philip. Schließlich kann Philip den Angreifer überwältigen. Da Tom aber Benzin hat und auch noch das Auto repariert, darf er sich den anderen anschließen, obwohl ihm vor allem Philip misstraut. Doch schnell wird klar: Tom hat nicht aus niederen Absichten gehandelt – auch er kämpft, wie die anderen, ums nackte Überleben. Wenige Kilometer später geraten die Vier dann in einen Hinterhalt: Leonie wird von Menschenfängern entführt. Das Auto wird geklaut. Marie, Philip und Tom bleibt nichts anderes übrig, als ein Himmelfahrtskommando zu starten, um das Mädchen zu befreien.

Endzeit im Hinterwald

Hell von Regisseur Tim Fehlbaum

Marie (Hannah Herzsprung) will die rettenden Berge erreichen.

Von der ersten Sekunde an packt Regiedebütant Tim Fehlbaum sein Publikum, um es zu keinem Moment mehr loszulassen. Das postapokalyptische Szenario etabliert er mit stimmungsvoll sonnenüberstrahlten Bildern. Den Überlebenskampf seiner Figuren inszeniert Fehlbaum mit Wucht und Tempo. Was als Endzeitthriller beginnt, wird immer mehr zu einem Horrorfilm der Kategorie Backwood-Slasher. Dabei schickt Fehlbaum seine Identifikationsfigur Marie in die tiefste Hölle auf Erden: die Familie. Denn Maries größter Feind ist nicht die erbarmungslos brennende Sonne, sondern der Mensch. Im Verlauf des Filmes begegnet sie vor allem Figuren, die durch den täglichen Überlebenskampf fast alles Menschliche verloren haben. Doch Regisseur Fehlbaum lässt sich nicht lumpen, jongliert gekonnt mit den Genreregeln und treibt Marie in die Hände von Kannibalen, die ihr Handeln sogar moralisch rechtfertigen wollen und nebenbei bekennende Christen sind – eine Horde Freaks, die aus einem Film, wie "The Texas Chainsaw Massacre" entsprungen sein könnten. So bleibt der Film mit seinem ausgereiften Drehbuch bis zum Ende überraschend.

Filmfest München 2011 // Hannah Herzsprung - "Das Drehbuch war perfekt" | Bild: BR

Endzeitstimmung in Bayern, die Sonne verbrennt die Erde. Das zeigt "Hell". Für seinen Debütfilm bekam Regisseur Tim Fehlbaum beim Münchner Filmfest den Förderpreis, für Hannah Herzsprung war der Dreh eine staubige Angelegenheit.

Video abspielen Filmfest München 2011 // Hannah Herzsprung "Das Drehbuch war perfekt"

Icon_small_video "Das Drehbuch war perfekt" Filmfest München 2011 // Hannah Herzsprung Ohne Javascript kannst du dieses Element nicht abspielen!

Nachdem im letzten Jahr mit "Rammbock" der erste gelungene Genrebeitrag aus Deutschland zum Zombiehorror in die Kinos gekommen ist, legt in diesem Jahr Tim Fehlbaum nach und liefert mit "Hell" einen perfekt inszenierten und gespielten Endzeithorrorthriller vor. Wir wünschen uns mehr davon.

Das müsst ihr sehen: grandiose Endzeitfilme.

1. "The Road" (2010) – Nach dem Roman von Cormac McCarthy hat John Hillcoat ein beklemmendes Drama geschaffen. Viggo Mortensen glänzt als besorgter Vater, der mit seinem Sohn in den Süden der verwüsteten Vereinigten Staaten flüchten möchte. Doch Kälte, Regen und eine Horde Kannibalen stellen sich ihnen in den Weg.

2. "28 Days Later" (2002) – Der Zombiefilm ist ein Subgenre des Horrorfilms und gehört definitiv in die Kategorie Endzeit. Mit "28 Days Later" hat Oscar-Gewinner Danny Boyle dem Genre eine Frischzellenkur verpasst und wohl einen der besten Beiträge dieses Genres überhaupt gedreht. Ein Zombie-Roadmovie mit furiosem Finale.

3. "12 Monkeys" (1995) – Die Welt wurde von einem Virus heimgesucht, nur wenige Menschen haben überlebt. Es werden Freiwillige in die Vergangenheit geschickt, um den Virus zu untersuchen. Regisseur Terry Gilliam schickt Bruce Willis in die Vergangenheit, wo ein mehr als verrückter Brad Pitt auf ihn wartet.


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