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Film // Whores' Glory Hier sind alle gleich

Von Matthias Leitner

Ein Film über Huren, egal ob heilig, dreckig oder einfach nur einsam. Die Dokumentation "Whores' Glory" von Michael Glawogger ist ebenso abstoßend wie faszinierend.

Whores Glory

"Das ist ein Hurenviertel. Hier benehmen sich die Ungebildeten genauso wie die Gebildeten", sagt die junge Prostituierte im roten Sari zu ihren Kolleginnen, während Männerscharen an den Frauen vorüber pirschen - und zur Kamera von Michael Glawogger. Für seine Dokumentation "Whores' Glory" ist der Österreicher nach Thailand, Mexiko und Bangladesch gereist. In die "Zonen", die großen Laufhäuser und Hurenviertel, die als kleine Welten alleine für sich existieren. Während in einem Thailänder "Fish Tank" die Prostituierten hinter Glasscheiben aufgereiht auf ihre Kundschaft warten, kopuliert auf der Straße ein Rudel Hunde. Und während in Mexiko die Freier im Autokorso zum Vollzug fahren, spielt die Kapelle von Straßenmusikern einen Mariachi.

Nähe ohne Voyeurismus

Lange hatte es gedauert bis sich Glawogger mit seiner Kamera frei bewegen durfte, bis Huren, Freier und Zuhälter einverstanden waren mit dem Beobachter, der an allem interessiert war, nur nicht an der Diskretion des Geschäfts. Aber auch wenn Glawogger indiskret ist, wenn er offen mit allen über Sex, ihre Lieblingspositionen, die Preise und körperliche Berufsprobleme spricht - der Film wirkt niemals voyeuristisch. Vielmehr zeichnet er ein Bild der Normalität, alltägliche Rituale wie das Ausräuchern des Arbeitsplatzes mit Weihrauch oder das Beten vor einem Schrein bestimmen die Jobroutine. Die Freier wissen über die Vorlieben und Techniken ihrer Lieblingsmodelle Bescheid und die sogenannten Mütter kennen ihre Angestellten. Gemeinsam sprechen sie über die aktuellen Preise und wie früher doch ohnehin alles besser war.

Zerbrochene Hoffnungen

Glawogger nennt "Whores' Glory" ein "Tryptichon zur Prostitution". Der Film ist Abschluss einer Triologie des Filmemachers zum Thema Globalisierung. Nach Megastädten und zerstörerischen Arbeitswelten jetzt also das Porträt einer Industrie, in der junge Mädchen überall auf dieser Welt an ihren Hoffnungen zerbrechen. Oft werden sie mit falschen Versprechungen geködert, betrogen und ausgenutzt. Manche gehen auch freiwillig in die Prostitution, aus Spaß am Sex, vor allem aber wegen des Geldes. Im Endeffekt sind sie alle jedoch gestrandete Einsame, denen eine Hure aus Bangladesch, kaum älter als 15 Jahre, wohl aus der Seele spricht: "Als Frau zu überleben ist unheimlich schwer. Gibt es keinen anderen Weg? Wer kann mir diese Frage beantworten?"

Das müsst ihr sehen: Huren und ihre Häuser.

1. "Die Nächte der Cabiria" (1957) – Regisseur Federico Fellini inszeniert seine Ehefrau Giulietta Masina als römische Prostituierte Cabiria. Trotz zahlreicher Demütigungen glaubt diese an Reinheit und Liebe. Ein Film zwischen Poesie und Hysterie – typisch Fellini.

2. "Leaving Las Vegas" (1995) – Der Säufer und die Hure mit Herz. Zwei Klischees prallen in der künstlichen Stadt verspielter Seelen aufeinander und werden zu Menschen aus Fleisch und Blut, weil Nicolas Cage und Elisabeth Shue die besten Leistungen ihrer Karrieren abliefern.

3. "Enter the Void" (2009) – Wo Gaspar Noé draufsteht, da ist Skandal drin. Der Regisseur hat auch mit "Enter the Void" einen radikalen Kinotrip inszeniert. Eine Reise ins Reich des Todes: ein Neon-Bordell in Downtown Tokio.


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