Pop Secret : Mehr Geheimnis in den Pop!
Verhüllte Gesichter, keine Fotos, keine Interviews - für Bands könnte das im transparenzgeilen Netzzeitalter eine Strategie sein. Weil cooles Geheimwissen wieder zum Pop gehört. Aber steckt mehr als Selbstvermarktung dahinter?
Die Zeit ist reif für mehr Geheimnisse im Pop. Für Bands, die ihre Identität verhüllen, nicht auf Twitter mit Geschichten aus dem Bandbus langweilen, sondern mit ihren Fans im hyperaktiven Webdschungel Verstecken spielen.
Ganz oldschool erscheint da noch Peter Licht. Er ist wahrscheinlich der berühmteste Geheimniskrämer im deutschen Pop. Ende Oktober erscheint sein inzwischen sechstes Album - und noch immer versteckt er sein Gesicht vor Fotografen. Auch persönliche Fragen sind tabu. "Ich finde es manchmal grausam, über einen Künstler zu viel zu wissen", hat Peter Licht in einem Interview einmal gesagt. Seine Verweigerungshaltung hat seinem Bekanntheitsgrad in jedem Fall nie geschadet.
Bands wie Wu Lyf haben die Geheimnis-Schraube zu Beginn ihrer Karriere noch weiter gedreht. Anfangs war bei den Jungs aus Manchester nicht mal klar, ob sie Musik machen oder eine Sekte sind. Zu ihrem Konzept gehörte die künstliche Verknappung: kaum Songs zum Anhören, Mini-Vinyl-Auflagen einer EP, keine Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken. Also das genaue Gegenteil davon, was hippe Bandmanager jungen Künstler sonst so raten.
Einen ähnlichen Weg gehen Witchhouse-Künstler wie Salem oder OOoOO. Allein die Bandnamen sind ein Skandal. Wie soll man das aussprechen? Noch schwieriger macht es einem die Band Ritualzzz, deren geschriebener Name aus zwei einfachen Kreuzen an den Rändern und einer Art-Doppelkreuz-Symbol in der Mitte. Welche Suchmaschine soll das finden?
All diese Künstler haben eine gemeinsame Sehnsucht: dass Popmusik wieder eine Subkultur ist. Mit einer Geheimsprache und einem Geheimwissen. Für die anderen, die Alten nur schwer dekodierbar. Das ist im transparenzgeilen Netzzeitalter so nostalgisch wie paradox: Denn natürlich bringt die Verweigerungshaltung genau die Aufmerksamkeit, die sie angeblich verhindern soll.


