Vorgestellt // Deeb Die Macht des Mikros

Als die Ägypter auf dem Tahrir-Platz gegen Mubarak demonstrierten, war Mohammed el Deeb mittendrin und rappte gegen den Diktator. Mit seinen politischen Texten bringt Deeb den HipHop zurück zu seinen Wurzeln.

Deeb

Kairo, Ende Januar 2011: Die arabische Revolution schwappt von Tunesien nach Ägypten hinüber. Auf dem Tahrir-Platz demonstrieren erst Hunderte, dann Tausende gegen das Mubarak-Regime. Mittendrin: Mohammed el Deeb. Der 26-jährige MC steht auf einer Bühne und schleudert dem Regime seine Rhymes entgegen. Deeb rappt gegen Unterdrückung, Korruption, Ungerechtigkeit. HipHop wird zum Sound des arabischen Frühlings - und Deeb einer der wichtigsten Raprevolutionäre.

Die Leute haben genug von hohlen Popsongs, wie sie vor der Revolution im Radio rauf und runter gespielt wurden, glaubt Deeb. Vor dem Sturz Mubaraks musste auch er sich selbst zensieren, sonst wäre er wohl im Knast gelandet. In seinen Texten beschimpfte er nie direkt die Regierung oder gar den Präsidenten. Stattdessen sprach er immer nur von den "Big Guys" oder den "Korrupten".

Deeb hat in verschiedenen HipHop-Formationen gerappt, seit gut einem Jahr ist er solo unterwegs. Im Dezember 2010 erschien seine erste EP "Cairofornia". Ein stimmiger Titel.

Interview // Deeb - "Our revolution hasn't been completed" | Bild: BR / Matthias Kestel

Eigentlich rappt Deeb auf Englisch und Arabisch. Für uns macht er eine Ausnahme und gibt eine Kostprobe seines ersten Songs - auf Französisch. Außerdem erklärt er, warum HipHop die perfekte Musik für den arabischen Frühling ist.

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Deebs Old-School-HipHop klingt nach Kairo, seine Botschaft aber spricht von der Freiheit, die man mit Kalifornien verbindet. Samples und Harmonien haben Morgenland-Appeal - in seinen Texten aber träumt Deeb von einem modernen Ägypten. Und wenn er rappt, schmeichelt sich das nicht samtig ins Ohr, es kommt durch den kehligen Klang des Arabischen recht kantig daher.

Seine Liebe zu Rhymes und Beats hat Mohammed el Deeb in der Schule entdeckt: Im Französisch-Unterricht lautete die Hausaufgabe, einen Raptext auf Französisch zu schreiben. Seine Mitschüler schrieben ihre Songs auf Papier, Deeb war der einzige, der seinen Song vertonte. Nur seine Stimme und ein geloopter Beat, auf Kassette aufgenommen: die Mitschüler, die Freunde und auch der Französisch-Lehrer fanden's tight. Offenbar hat Deebs Flow schon damals gestimmt.

Deeb - Oum Ya Masry (live @ on3-Festival 2011) | Bild: BR/camillo Büchelmeier

Beim on3-Festival 2011 wurde der ägyptische Rapper Mohammed el Deeb auf der Bühne unterstützt vom Münchner DJ-Urgestein Explizit. "Oum Ya Masry" bedeutet übersetzt "Stand Up Egyptian".

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