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Film // Endlich Zeit zu sterben

Von Matthias Leitner

Eine Dokumentation über den Tod. Eine Meditation über die letzten Stunden. Ein Essay über die Angst zuvor und das Leben danach. "Endlich" will vieles sein. Kann der Film seine eigenen Ansprüche erfüllen?

Screenshot aus dem Film

November und Tod: ein unschlagbares Duo. Wenn um Allerheiligen und Allerseelen der Nebel aufzieht, der Winter schon seine kalten Arme ausbreitet, dann bringen auch die Verleiher Filme zum Thema Tod ins Kino. Dieses Jahr heißt der dunkelste Novemberbeitrag "Endlich". Katja Dringenberg und Susanne Voss begleiten in ihrer Dokumentation den Weg einer Toten vom Bestatter bis ins Grab. Sie befragen Vertreter der großen Religionen zu einem Leben nach dem Tod und spüren der Angst vor der Endgültigkeit auf.

Der Tod ist unnahbar

Doch mit filmischen Mitteln ist der Tod nicht zu erfassen. Für die Filmtheoretikerin Vivian Sobchack liegt er überhaupt außerhalb des Sicht- und damit Darstellbaren - der Tod, der ist immer das andere. Deshalb widmen sich Dringenberg und Voss in der von Tom Tykwer produzierten Dokumentation vor allem der Angst und der Trauer, die der Tod verursacht. Sie versuchen alles, um den Tod greifbar, verständlich und schließlich überwindbar zu machen, müssen daran aber zwangsläufig scheitern. Dieses Scheitern ist kein Versäumnis des Films, sondern liegt in der Natur seines Gegenstandes, oder wie Stephanie Reuter in ihrem Buch "Sterben. Tod. Trauer" schreibt: "Wer den Tod zu definieren verstünde, wäre im Begriff seiner Herr zu werden. Doch nicht wir beherrschen den Tod, sondern der Tod beherrscht uns."

Das Geschäft mit dem Tod

Screenshot aus dem Film

Interessant wird "Endlich" immer dann, wenn er versucht, den Tod in seiner gesellschaftlichen Dimension zu erfassen, wenn er ihn beispielsweise als Geschäft zeigt, als profanen Gegenstand der Sterbeindustrie. Da werden dann Särge im Akkord gezimmert, von Industrierobotern lackiert, Tote zu Hunderten in Kühlkammern gelagert und anschließend von Drohnen zur Einäscherung kutschiert. Wirklich tief geht "Endlich" in seiner Analyse dieses Wirtschaftszweiges aber nicht.

Der Film nimmt niemals den Tod als gesellschaftlichen Verdrängungsprozess ins Visier, lässt auch die aktuellen politischen Debatten um Suizidbeihilfe oder den von einigen Wissenschaftlern verfolgten Traum vom "ewigen Leben" völlig außer Acht. So verbleibt "Endlich" letztlich auf dem Niveau von besänftigenden Kalendersprüchen, wie sie im November in unzähligen Wohnstuben an der Wand hängen dürften.

Das müsst ihr sehen: der Tod als Filmfigur.

1. "Das siebente Siegel" (1957) – Ein Schachspiel mit dem Tod zu Zeiten der Pest. Ingmar Bergmanns Meisterwerk stellt die Frage nach der Existenz Gottes und führt die Abgründe in unserer Welt vor. Max von Sydow spielt einen Kreuzritter, der den Tod herausfordert, um sich mehr Lebenszeit zu erhaschen.

2. "Harry außer sich" (1997) – Bei Harry Block, alias Woody Allen, einer gestrandeten Schriftstellerexistenz, klopft der Tod an der Tür. Gekleidet in schwarz mit Kapuze und einer Sense in der Hand. Bald findet sich Harry in der Hölle wieder.

3. "Rendezvous mit Joe Black" (1998) – Der Tod sieht in Michael Brests Drama aus wie Brad Pitt und möchte eine Weile unter den Menschen lustwandeln. Für den attraktiven Sensenmann interessiert sich auch die hübsche Tochter eines Großindustriellen, der bald das Zeitliche segnen soll.


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