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Miss Kittin & The Hacker

1998 ist das Jahr von "1982". Klingt erst mal paradox, ist aber so. "1982" nämlich heißt die erste Single von Miss Kittin & The Hacker. Und die sind wirklich ein gegensätzliches Gespann. Der weibliche Teil des französischen Duos trägt den mysteriösen Namen "Miss Kittin", was irgendwie nach einer verschmusten Domina klingt. Und wenn man Fotos der Dame sieht, liegt man damit gar nicht so falsch. "The Hacker" – das klingt hingegen nach Captain Future, nach Atari-Romantik und Retro-Futurismus. Zerbrechlichkeit und Härte - Vergangenheit und Zukunft. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und deswegen klingt "1982" gleichermaßen nach 80er-Elektro und 90er-Ravetrack.

Ein neuer Stern am Elektrohimmel

Da fiepst ein uralter Synthie, der Beat stakst auf wackeligen Beinen vorwärts. Und über allem schwebt die Stimme des Domina-Kätzchens. Mit deutlichem französischen Akzent singt Miss Kittin Texte, in denen Lack und Leder auf Kabel und Computer treffen. Ein Mix aus Elektro, Punk und New Wave. Das Ganze nennt sich dann Elektroclash und scheint die Rettung, nachdem Techno in einer gigantischen Supernova verglüht ist.

Auf dem Münchner Label Gigolo Records veröffentlicht das ungleiche Paar sein Debütalbum und dem kann das Gros der Nachzügler keinesfalls das Wasser reichen. Wenn die beiden einen Track machen, gibt es kurze Zeit später unzählige, die genauso klingen. Wie eine Mischung aus Swingerclub und Physiklehrer. Irgendwie schmutzig und anrüchig, aber gleichzeitig nerdy und oldschool.

Retro und trotzdem zeitgemäß

In gewisser Weise liefert das Duo die Blaupause für ein ganzes Genre. Wie bei jedem Hype kommt aber auch Electroclash irgendwann an den Punkt, an dem es nur noch Kopien von Kopien gibt. Miss Kittin & The Hacker ziehen sich gelangweilt zurück und widmen sich stattdessen neuen, frischeren Solo-Projekten. Erst 2008 trauen sich die beiden wieder und es erscheint ein weiteres gemeinsames Album. Völlig anders als sein Vorgänger ist es nicht. Vielleicht etwas farbenfroher, manchmal auch hart an der Grenze zum Kitsch. Immer noch retro, aber immer auch nach vorne gerichtet.

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