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Film // Der Gott des Gemetzels Krieg der Spießbürger

Von Matthias Leitner

Die guten Manieren sind schnell vergessen in Roman Polanskis Verfilmung des Theatererfolges "Der Gott des Gemetzels". Darin bereiten sich Christoph Waltz, Jodie Foster, John C. Reilly und Kate Winslet die Spießbürgerhölle auf Erden.

Der Gott des Gemetzels

"Der Gott des Gemetzels", das ist der Spießbürger, der sich hinter seiner zivilisierten Fassade verbirgt und im Affekt die Maske fallen lässt und damit die eigene Niedertracht, Gehässigkeit und Infantilität offenbart, um am Ende keulenschwingend das Faustrecht wieder einzuführen. Yasmina Reza lässt in ihrem Bühnenstück die bürgerliche Fassade bröckeln – Roman Polanski, der Meister der subtilen Gesellschaftskritik hat diese Geschichte nun verfilmt: Eine Wohnung in New York, in dem sich zwei Elternpaare treffen, um schlichtend über den Streit ihrer Kinder zu debattieren. Was harmonisch anfängt wird immer mehr zur Selbstzerfleischung, zur Sauforgie mit Vorwürfen, zerstörten Smartphones und körperlicher Aggression. Dass "Der Gott des Gemetzels" zum internationalen Theatererfolg wurde, liegt an einer Dialogpartitur, in der jede Pointe exakt gesetzt ist und in der vier Schauspieler die Möglichkeit bekommen, zu brillieren.

Paris in New York

Für die längst überfällige Verfilmung hat Roman Polanski den Regiestuhl bestiegen und ein Kammerspiel kommt ihm ohnehin entgegen: Der in den USA per Strafbefehl Gesuchte muss so seine Wahlheimat Paris nicht verlassen, um New York zu inszenieren. Auf die Wohnzimmercouch setzt der Altmeister ein vielfach Oscar prämiertes Schauspielquintett: Jodie Foster und John C. Reilly als Eltern des geprügelten Kindes, Christoph Waltz und Kate Winslet als Eltern des Prüglers. Am Drehbuch hat Yasmina Reza selbst mitgeschrieben und damit ist "Der Gott des Gemetzels" auf allen Ebenen das, was mit dem Label "Eine sichere Nummer" am besten beschrieben ist.

Kein Platz für Spinnereien

Der Gott des Gemetzels

Allein die Performance von Christoph Waltz ist einmal mehr genial, auch wenn ein Hauch von "Inglorious Basterds" in seinem fiesen Anwaltsgrinsen liegt. Und aus Jodie Foster blitzt ohnehin immer wieder FBI-Ermittlerin Clarence Starling aus "Das Schweigen der Lämmer" hervor, während bei Kate Winselt mit jedem zweiten Wimpernschlag einmal die Titanic untergeht. Gerade weil Polanski seine Schauspieler als wiedererkennbare Typen inszeniert und Referenzen offensichtlich macht, wird aus dem Film, der wie das Stück in seiner Dramaturgie konsequent auf die Eskalation, auf das Kollabieren der Etikette zusteuert, eine hintergründig-komische Satire.

Das müsst ihr sehen: Filme mit Schattenmann John C. Reilly.

1. "Boogie Nights" (1997) – Es ist das Schicksal von John C. Reilly, dass er immer in der zweiten Reihe glänzt. In "Boogie Nights" hat ihn sein Kumpel Paul T. Anderson neben Mark Wahlberg, Burt Reynold und Philip Seymour Hoffmann ins Rampenlicht gesetzt, als etwas unterbelichteten Pornodarsteller.

2. "Magnolia" (1999) – Ebenfalls von Paul T. Anderson inszeniert, spielt John C. Reilly einen einsamen Polizisten auf der Suche nach Liebe. Während John C. Reilly das Herz der Geschichte ist, stehen Tom Cruise und Julianne Moore als Stars des Filmes im Vordergrund.

3. "Last Radio Show" (2006) – In Robert Altmanns letztem Kinofilm steht John C. Reilly als ordinärer Country-Barde auf der Bühne eines Varieté-Theaters. Neben Hochkarätern wie Tommy Lee Jones und Meryl Streep macht er das, was er am besten kann: kleine Rollen zu großem Kino.


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