Kermit D. Lang ist ein gutbeleibter, behaarter Mann, der auch gut rostige Container am Hamburger Hafen verladen könnte. Er fragt uns höflich: "May I ask you, why you are so unhappy with your dic'k?". Mehr wissen wir nicht von ihm, denn sein Name und seine Frage stammen aus einer Spam-Mail. Was andere Leute ungelesen löschen, ist für den österreichischen Comic-Künstler Nicolas Mahler der Rohstoff, aus dem er die Cartoons für sein aktuelles Buch gemacht hat.
"Suffer from low desire?"

Bild: Nicolas Mahler
Spamcomic-Figur Otto Pitts
Nicolas Mahler hat für seine Werke schon renommierte Comic-Preise gewonnen. Nebenher zeichnet er unter anderem auch für die Titanic. Und jetzt hat er in einem Wust von über 15.000 Werbe- und Spam-Mails gewühlt, hat Betreffzeilen ausgewählt und sich Figuren ausgedacht, die hinter den Absendern und ihren Aussagen stehen könnten. "Depression can be stopped", sagt ein ziemlich fertiger Straßenarbeiter mit dem Namen Otto Pits und hält ein verbeultes Stoppzeichen in die Luft. Ein gewisser Schnack.Teerapong wirkt wie ein zusammengedrücktes Knetmassenmännchen. Seine Frage ist dann auch passender Weise: "Suffer from low desire?"
Spams mit Tiefgang

Bild: Nicolas Mahler
Buchcover des Comics "Spam"
Die Figuren aus dem Buch "Spam" sind typische Mahler-Kreationen. Richtige Gesichter gibt es meistens nicht. Dafür aber verschieden große Kuben, aus denen sich irgendwie Nase und Kopf formen. Beine und Arme sind oft verkürzt und die Körper neigen dazu, platt am Boden zu kleben oder steil in den Himmel zu schießen. Weniger ist mehr. Wenn dieser Spruch im Comic-Kosmos auf jemanden zutrifft, dann auf Mahler. Und so ist es auch kein Wunder, dass Mahler aus abgedroschenen Spam-Betreffzeilen eine schlüssige Geschichte komponiert, die man sich einfach länger anschauen will. Das Buch "Spam" ist eine bittere Persiflage auf das ewige "Höher-Schneller-Weiter", das uns tagtäglich in den Maileingang reinflattert. Und soviel Tiefgang hätten wir Spam-Mails eigentlich nie zugetraut.

