Film // Jane Eyre Gruseln in alten Gemäuern

Von Matthias Leitner

Das Waisenkind "Jane Eyre" spukt schon mehr als 150 Jahre über die Theaterbühnen und Kinoleinwände. Umso überraschender, dass nach mehr als 20 Verfilmungen jetzt ein kleines Meisterwerk in die Kinos kommt.

Filmszene aus dem Kinofilm

Fast zwanzig Verfilmungen von Charlotte Brontës viktorianischem Roman über das Leben des Waisenkindes "Jane Eyre" gibt es bereits. Schauspielerinnen wie Joan Fontane, Samantha Morton oder Charlotte Gainsbourg haben das arme Ding schon gespielt, haben als Jane ihre große Liebe gefunden und alle Schmähungen hinter sich gelassen. Die meisten dieser früheren Versionen waren verkitschte Sozialdramen und sie waren lieblos abgefilmt: Hier wurden ein paar historische Kostüme, ein paar gefällige Landschaften, eine Burg und tränende Augen aneinander gereiht. Glücklicherweise hat sich Cary Fukunaga, der im letzten Jahr mit seinem Ghettofilm "Sin Nombre" überrascht und überzeugt hat, damit nicht zufrieden gegeben.

Viktorianische Spukgeschichte

Fukunaga erzählt die gleiche Geschichte, wie seine Regie-Kollegen vor ihm: Auch bei Fukunaga stirbt die beste Freundin an Tuberkulose in Janes Armen, wird Jane im Internat oder von gemeinen Familienmitgliedern immer wieder drangsaliert und ausgestoßen, verliebt sie sich schließlich in ihren mysteriösen Arbeitgeber Mr. Rochester (Michael Fassbender). In seiner Neuinterpretation des Stoffes konzentriert sich Fukunaga aber auf die Gruselgeschichte und inszeniert ein gelungenes Gespensterstück in traurigen, kargen Landschaften, in kalten, ungemütlichen Gemäuern, mit wenig liebenswerten Menschen. Mia Wasikowska spielt Jane als bleiches und schwächlich erscheinendes, aber störrisches und willensstarkes Mädchen.

Stark in feindlicher Umgebung

Damit bleibt sich Cary Fukunaga thematisch treu. In "Sin Nombre" hat er über das Leben im Ghetto erzählt und den Versuch diesem Leben zu entkommen. Auch "Jane Eyre" ist die Geschichte einer Aussteigerin, die in einer feindlichen Umwelt überstehen muss, die aus ihrer sozialen Schicht am untersten Rand der Gesellschaft aufsteigt, um ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu formen. Durch seine virtuos spannende Inszenierung bläst Fukunaga allen historischen Muff aus der Geschichte und liefert statt eines Kostümdramas einen raffinierten und zeitlos aktuellen Psychothriller ab.

Das müsst ihr sehen: Filme und Serien mit Mia Wasikowska

1. "In Treatment" (2008) – In der Psychoanalytiker-Sendung spielt Mia Wasikowska den Mittwochstermin Sophie. Ein 16-jähriges Sporttalent, das wohl einen Selbstmordversuch hinter sich und eine Affäre mit ihrem Trainer hat.

2. "Alice im Wunderland" (2010) – Disneys klassische Zeichentrickversion ist immer noch die beste Adaption von Lewis Carolins surrealem Märchen. Doch Tim Burtons 3D-Version von 2010 ist trotzdem gelungen, was zu großen Teilen auch an Mia Wasikowska liegt, denn sie ist eine perfekte Alice.

3. "Restless" (2011) – In Gus Van Sants neuem Film spielt Mia Wasikowska das todkranke Mädchen Annabel. Auf einer Beerdigung lernt sie Enoch kennen, der immer an den Begräbnissen wildfremder Menschen teilnimmt. Sie haben sich gesucht und gefunden, aber nur noch drei Monate Zeit. Dann wird Annabel sterben.


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