Spielwiese on3-radio : Schlechter geht's nicht
Von Ralph GlanderSchon auf den schlechten Geschmack gekommen? Nein? Dann helfen diese Filme weiter. Vom atomaren Superhelden bis zum singenden Anus – hier unser Best of Trash. Aber Achtung: Empfindsame Herzen beachten bitte die Altershinweise!
Toxic Avenger (1984)
Melvin ist eine gutherzige, aber minderbemittelte Putzhilfe in einem Fitness-Studio. Als ihm boshafte Steroiden-Junkies einen Streich spielen, fällt der arme Melvin aus dem Fenster und landet in einer Tonne voll mit radioaktivem Müll. Danach sieht er zwar potthässlich aus, hat aber tolle Superkräfte. "Toxic Avenger" ist der Kultfilm des berühmt-berüchtigten US-Labels Troma. Der Rachefeldzug des atomar deformierten Sonderlings bietet alles, was das Trashherz höher hüpfen lässt: Überfahrene Kinder, erschossene Hunde, frittierte Köpfe, Exil-Nazis und das ein oder andere Schäferstündchen zwischen Toxie und seiner blinden Freundin. Ein wahrer Rundumschlag des schlechten Geschmacks. Dabei aber auch wunderbar satirisch und bösartig.
"Toxic Avenger" von Lloyd Kaufman, FSK: nicht geprüft
Plan 9 aus dem Weltall (1959)
Edward Wood gilt vielen als der schlechteste Regisseur aller Zeiten. Seinem wohl bekanntesten Werk "Plan 9 aus dem Weltall" hängt der Ruf nach, der "schlechteste Film aller Zeiten" zu sein. Darüber kann man streiten, aber Fakt ist, dass Ed Woods Meisterstück des Stümperkinos ein Unterhaltungsknaller erster Kajüte ist. Wenn außerirdische Invasoren mit ihrem ominösen neunten Plan (niemand kennt die vorherigen acht!) versuchen, die Erde zu übernehmen, fährt Ed Wood alles auf, was der Bad-Taste-Fan gern goutiert: Porzellan-Untertassen als fliegende Untertassen, wacklige Pappkulissen, ein schwedischer Wrestler, Zombies, Vampire... und Bela Lugosi. Tim Burton hat dem kauzigen Angorawäsche-Fetischisten Ed Wood übrigens 1994 mit seinem nach ihm benannten Film ein charmantes filmisches Denkmal gesetzt.
"Plan 9 aus dem Weltall" von Edward D. Wood Jr., FSK 12
Phantom Kommando (1985)
Das 80er-Jahre-Actionkino war voll von großartigen Stuss-Filmen, in denen aufgepumpte, reaktionäre Actionhelden mit Staatsfeinden aller Art rigoros aufräumten. Der vielleicht irrwitzigste Beitrag ist dabei "Phantom Kommando" mit unser aller liebstem Ösi-Rammbock Arnie Schwarzenegger. Die Tochter des ehemaligen Offiziers John Matrix wird von dem schmierigen lateinamerikanischen Ex-Diktator Velasquez entführt. Der Plan: Matrix soll den neuen Präsidenten umbringen, damit der selbst wieder an die Macht kommt. Doch da macht Arnold nicht mit und beginnt als Ein-Mann-Armee seine Tochter freizuballern. Wenn Matrix mit stierem Blick und umfangreichem Waffenarsenal eine ganze Insel auseinandernimmt, steigt die Laune ins Unermessliche. Diesen Film kann man nicht oft genug sehen.
"Phantom Kommando" von Mark L. Lester, FSK 18
Pink Flamingos (1972)
Der legendäre Schmuddelklassiker von Trash-Großmeister John Waters darf hier natürlich nicht fehlen. Alleine ein grober Umriss des "Plots" macht unmissverständlich klar, was Sache ist: Der schwergewichtige Transvestit Divine lebt mit seinem siffigen Sohn und seiner ranzigen Mutter in einem Wohnwagen und ist stolz auf seinen Titel "filthiest person alive". Alles könnte so harmonisch sein, würden nicht plötzlich Divines Erzfeinde Connie und Ray Marble versuchen, ihm diesen Titel streitig zu machen. Was darauf folgt, ist nach wie vor eine echte Lehrstunde in Sachen schlechten Geschmacks. Szenen wie Divines Verzehr von warmem Hundekot oder ein singender Anus sind aus der Trashkultur nicht mehr wegzudenken.
"Pink Flamingos" von John Waters, FSK: nicht geprüft
