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Film // Let Me In So geht Vampir!

Von Matthias Leitner

Schon wieder Blutsauger: Das Horror-Drama "Let Me In" um das Vampirmädchen Abbey und den schüchternen Jungen Owen erteilt den Twilight-Langeweilern um Robert Pattinson eine saftige Kino-Lehrstunde. Pflichtstoff für Vampirfans.

Let Me in

Kaum zu glauben, gerade mal drei Jahre ist es her, dass der erste Twilight Film die Kinos mit spitzen Zähnen und Sex-nach-der-Ehe-Moral erobert hat. Bis jetzt sind schon weitere drei Filme der Vampirsaga erschienen. Auch, wenn die Serie eine große Fangemeinde erreicht, gruselt sich der richtige Vampirfan wohl am meisten vor dem Ideenmangel im Filmfranchise-Gewerbe von Hollywood. Nur einige wenige Vampirfilm-Produktionen konnten seitdem mit neuen Ideen überzeugen: So ist die Vampirserie "True Blood" ebenfalls 2008 gestartet und auch das kleine, düstere und sehr geniale schwedische Horrordrama "So finster die Nacht" kam in die Kinos. Diese Coming-of-Age Geschichte über die Liebe eines Jungen zu einem Vampirmädchen war der einzige Vampirfilm neben "Thirst" (2009) von Chan-wook Park, der in den letzten Jahren inhaltlich und stilistisch eigene Wege außerhalb des zwielichtigen Hype-Schlagschattens um Vampir Cullen und seine mormonisch-anmutenden Spießgesellen gegangen ist.

Auf die Plätze, Remake, los!

Let Me in

Der 12-jährige Owen trifft auf Vampir-Mädchen Abbey.

Bereits bevor dieser schwedische Film nach einer weltweit erfolgreichen Romanvorlage 2008 in die Kinos kam, hatte Hollywood in Vorausahnung des Vampirbooms Interesse an einer Neuverfilmung des Stoffes angemeldet. Gerade mal drei Jahre später liegt das Remake mit dem Titel "Let Me In" parat. Gefilmt von Regisseur Matt Reeves, der mit seinem von Godzilla inspirierten Monsterfilm "Cloverfield" schon kreative Neuverfilmungs-Qualitäten unter Beweis gestellt hat. Dass er sich ausgerechnet jetzt an einen Vampirfilm gemacht hat und dazu dann noch an ein Remake, lässt erst einmal typische Hollywood-Arbeitsweisen erkennen: Wenig kreativer Eigeneinsatz trifft auf hochgelobten Filmstoff, krallt ihn sich mit großem Budget und bringt ihn halbverdaut mit neuer Optik ins Kino. Überraschend ist tatsächlich, dass "Let Me In" durch einen eigenen Regieansatz besticht und sich mit jeder Minute vom Original emanzipiert.

80er-Paranoia im Horrorgewand

Matt Reeves siedelt die unheilvolle Geschichte vom geheimnisvollen Vampirmädchen Abby und dem schüchternen 12-jährigen Owen in der amerikanischen Provinz der 90er-Jahre an. Eine Mordserie erschüttert die Gegend um Los Alamos in New Mexico – also dem Ort, an dem die Atombombe erfunden wurde. Aus den Radios predigt die Stimme von Ronald Reagan, die Amis haben Angst vor den Russen und durch die Vereinigten Staaten weht ein frischer Hauch von New Age, Neo-Okkultismus und sektiererischer Religiosität. Auch wenn der Rest der Geschichte eins zu eins vom Original übernommen ist: Allein durch die konsequente Zeichnung dieses Settings gewinnt "Let Me In" eine ganz eigene Qualität. Tatsächlich ist Matt Reeves der erhoffte ästhetische und intelligent erzählte Gegenpol zur Twilight-Vampirrotte gelungen. Doch obwohl selbst Horrorpapst Stephen King vom angeblich besten Horrorfilm der letzten Jahre spricht ist "Let Me In" leider an den amerikanischen Kinokassen gefloppt – der deutsche Vampirfan sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen.

Das müsst ihr sehen: die europäischen Originale.

1. "Spoorloos" (1988) – Unter dem Titel "Spurlos" hat Regisseur George Sluizer selbst wenige Jahre später das amerikanische Remake seines Thriller-Meisterwerkes verantwortet. Leider hat er für den amerikanischen Markt das bittere Ende weichgewaschen und damit das Herz des Filmes ruiniert.

2. "Abre los ojos" (1997) – Bekannter ist die Geschichte eines Mannes, der den Bezug zur Realität verliert und mit einer längst verstorbenen Liebe konfrontiert wird, durch das Remake "Vanilla Sky" mit Tom Cruise. Das Original mit Javier Bardem ist in allen Belangen der bessere Film, aber so ist es ja meistens.

3. "Verblendung" (2009) – Hollywood wird immer schneller: Zwei Jahre nach dem Erfolg der Stieg Larsson Verfilmungen kommt schon Anfang 2012 das Remake. Die Verfilmung hat dabei David Fincher übernommen, was in jedem Falle hoffen lässt.


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