Die Frage on3-radio // Teil 1 - Die Abmahnindustrie : Warum soll ich noch für Musik bezahlen?
Von Michael Bartlewski600.000 Filesharer werden in Deutschland jedes Jahr abgemahnt. Da sind für ein illegal verbreitetes Album schnell mal 1.200 Euro fällig. In der Frage on3-radio wollen wir wissen: Ist da eine Abmahnindustrie entstanden?
Die Abmahnindustrie
Dass es der Musikindustrie schlecht geht, weiß inzwischen jeder. Aber viele Deutsche haben inzwischen schon am eigenen Leib gemerkt, wie die Industrie versucht, ihre einbrechenden Gewinne zu kompensieren: mit Abmahnungen. Damit wollen die großen Plattenfirmen, aber auch einzelne Künstler wie Bushido, die Selbstbedienungs-Mentalität im Netz bekämpfen.
Bei unseren Recherchen zur – zugegeben provokant formulierten – Frage, "Warum soll ich noch für Musik bezahlen?", haben wir gemerkt: Obwohl der Hype um illegale Downloads vorbei ist und Streaming-Dienste als das neue Ding erscheinen, werden Filesharer immer noch mit extrem hohen Geldforderungen abgemahnt. Manche stürzt der Brief vom Anwalt in Existenzangst. Wenn ihr mitdiskutieren wollt, schreibt uns im Blog. Dort haben wir beschrieben, wie ein typischer Abmahn-Prozess vor Gericht abläuft.
Station 1: Die Abgemahnte
Katja war geschockt, als sie den Abmahnbrief bekam: 3.600 Euro soll sie zahlen – für sechs angeblich weiterverbreitete Musikfiles. Zwar kann sie beweisen, dass sie es selbst nicht war. Aber dann erfuhr sie: Das wird ihr vor Gericht wahrscheinlich wenig nutzen. Warum Katja trotzdem weiterkämpfen will, erzählt sie im Interview.
Station 2: Das Gericht
16 Prozesse pro Woche, 600 Klagen auf Halde, drei Richter eigens für Internet-Verfahren: Vor dem Amtsgericht München landen viele, die illegal Musik tauschen und dabei erwischt werden. Die Zahl der Abmahnverfahren ist dort 2011 so stark gestiegen, dass das Gericht sogar einen zusätzlichen Richter für diese Klagen abstellen musste. Im Interview erklärt Gerichtssprecherin Ingrid Kaps, warum sich der Aufwand aus ihrer Sicht trotzdem lohnt.
Station 3: Der Abmahner
Jedes Jahr verklagt Björn Frommer nach eigenen Angaben "mehrere Tausend" Filesharer im Auftrag von Plattenfirmen und Filmindustrie. Dadurch ist er zu Deutschlands bekanntestem Abmahn-Anwalt geworden. Besonders häufig muss er dafür Kritik einstecken, dass die Abmahnsumme insgesamt zu hoch ist – nämlich bis zu 1.200 Euro pro hochgeladenem Werk. Im Interview erklärt Björn Frommer, warum diese Beträge notwendig sind und warum die vielen Abmahnungen aus seiner Sicht geholfen haben, Filesharing einzudämmen.
Vor dem Interview mit Björn Frommer haben wir on3-radio-Hörer gebeten, uns Fragen an den Urheberrechts-Anwalt zu schicken. Und deren Kommentare hatten es in sich: Johannes warf ihm vor, eine ganze Generation zu kriminalisieren. Und Martin wollte wissen, "Wie fühlt es sich an, mit dem geistigen Eigentum Anderer reich zu werden?". Hier stellt sich Björn Frommer den Fragen der on3-Hörer:
Station 4: Der Aussteiger
Früher hat er Filesharer reihenweise abgemahnt. Aber dann bekam Florian Burgsmüller moralische Bedenken. Im Interview spricht der Anwalt über Abzocke mit Abmahnungen und schwarze Schafe unter Anwaltskollegen. Und er erklärt, wie die Politik das Abmahn-Geschäft unterbinden könnte.

