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Film // Verblendung Der Killer geht um

Von Matthias Leitner

Schon wieder Stieg Larsson. Nach einer gelungenen europäischen Filmversion hat diesmal Killerspezialist David Fincher ("Sieben") die Regie übernommen und das US-Remake der "Millenium"-Triologie inszeniert. Ob das nötig war?

Szene aus The Girl With the Dragon Tattoo

Für Serienkiller-Filme ist David Fincher Spezialist. In "Sieben" hat er die Todsünden durchexerziert und in "Zodiac" die wahre Geschichte eines niemals identifizierten Serienmörders inszeniert, der in den 70ern San Francisco schockiert hat. "Aller guten Dinge sind drei", wird sich der ständige Oscar-Kandidat gedacht haben, um sich dann auf die Neuverfilmung von Stieg Larssons Auftakt der Millenium-Triologie einzulassen: "Verblendung". Nach gerade mal zwei Jahren kommt damit das US-Remake der schwedischen Bestseller-Verfilmung von 2009 in die Kinos. Noch einmal steigt die zur Punk-Ikone des Netzzeitalters avancierte Roman- und Filmfigur Lisbeth Salander auf die Leinwand.

Ein emotionaler Hack

Und diese Lisbeth Salander, das gequälte Mädchen, die missbrauchte, ausgestoßene und hochintelligente Hackerin, ist der große Trumpf der Geschichte und auch der Grund für die unwahrscheinliche Popularität des Stoffes. Sie ist ein Rollenmodell des 21. Jahrhunderts, eine junge Frau in einer misogynen Männerwelt, in der die Alten die Jungen manipulieren und sowohl seelisch als auch körperlich ausbeuten. Außerdem hat Salander als brillante Hackerin die große Kernkompetenz unserer Zeit erworben und sie wehrt sich, notfalls mit Gewalt, gegen alle diejenigen, die ihr Böses wollen.

Gespielt wird Salander diesmal von Rooney Mara, die wesentlich zierlicher, weniger hart und damit auf den ersten Blick ungefährlicher aussieht als Noomi Rapace, der man 2009 schon auf den ersten Blick alles und noch viel mehr zugetraut hatte.

James Bond im kalten Schweden

Szene aus The Girl With the Dragon Tattoo

Daniel Craig spielt den investigativen Journalisten Mikael Blomquist

Während die Figur der Lisbeth Salander mit Mara eine Verletzlichkeit und Zugänglichkeit gewinnt, die sie in der schwedischen Filmversion so nie ausstrahlen konnte, ist der Mann an ihrer Seite weiterhin ein anachronistischer Klassiker: Mr. James Bond Daniel Craig gibt den investigativen Journalisten Mikael Blomquist und bleibt der aufrechte Ritter, dessen moralisches Ethos in zynischen Zeiten bemitleidenswert naiv erscheint.

Die Beziehung zwischen ihm und Lisbeth Salander, überhaupt die Psychologie der beiden Hauptfiguren, nimmt in Finchers Remake wesentlich mehr Platz ein, als im Original. Immer wieder verlässt Fincher den Thriller-Plot um ein verschwundenes Mädchen und antisemitische Mordfälle. Dafür setzt er atmosphärische Zwischentöne und erzählt kleine Details über seine Figuren. Nach einer stattlichen Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden hat man im Kern dann zwar dieselbe Geschichte wie vor zwei Jahren gesehen, allerdings ist Finchers Version diejenige mit mehr Herz, mehr Panik, mehr Befriedigung und damit eines der so seltenen schlagenden Argumente für Neuverfilmungen und Remakes.

Das müsst ihr sehen: Daniel Craig mal nicht als James Bond.

1. "Our Friends in the North" (1996) – Eine Serie über Freundschaft , Liebe und Trennung in der Zeit von 1964 bis 1995. Mittendrin Daniel Craig, Mark Strong und Gina McKee. Für viele Kritiker eine der besten britischen TV-Serien aller Zeiten.

2. "Die Mutter" (2003) – Familienchaos und Affären. Daniel Craig als unsolider Schwiegersohn, der mit der Mutter seiner Frau eine heimliche Beziehung beginnt und beweist, dass er auch ein Schauspieler für ruhige Momente ist.

3. "Layer Cake" (2004) – Craig spielt einen Drogendealer der sich zur Ruhe setzen möchte. Natürlich gibt es für ihn aber noch einen letzten Auftrag und natürlich werden Killer auf ihn angesetzt. Klassischer Thriller-Plot in furioser Inszenierung und mit Darstellern in Höchstform.

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