Album der Woche : Aceyalone - Aceyalone & The Lonely Ones
Der Westcoastrapper aus Los Angeles hat bereits neun Alben veröffentlicht. Der neueste Streich nimmt den Hörer mit in die fiese, verrauchte Blueskneipe um die Ecke.
Für HipHop eher ungewöhnliche Optik
Schon das Cover des Albums Aceyalone & The Lonely Ones ist ziemlich ungewöhnlich für eine HipHop-Platte: Man sieht den Rapper Aceyalone im schnieken Anzug, mit Hut, Sonnenbrille und Retro-Mikro in der Hand: Die typische Soulplatten-Optik der sechziger Jahre. Und das vergilbte Cover führt nicht auf eine falsche Fährte: Diese Platte zeigt, wie es sich angehört hätte, wenn man auf den Soul, Doo Wop oder Blues von damals gerappt hätte. Also auf den Sound, der HipHop erst möglich gemacht hat.
Das Intro von Aceyalone & The Lonely Ones schickt den Hörer in die fiese Blueskneipe um die Ecke. Zuerst Applaus, dann unverständliches Gemurmel, schließlich stimmt die Band ein und präsentiert den Frontmann: Aceyalone.
"The Lonely Ones" – so heißt die Backingband des Rappers – setzt zum ersten Song an und sofort man hat die Gruppe vor Augen: Den Drummer, dem die Scheinwerfer in den Augen funkeln, die Sängerinnen, die ihre Hüften im Takt schwingen... Der Blick auf die Credits lässt diesen seligen Tagtraum allerdings jäh zerplatzen: Für die ganze Platte sind nur zwei Leute verantwortlich: Aceyalone selbst und sein Produzent Bionik.
Aceyalone beim Tagträumen
Die Inspiration für die Songs sind ganz klar diverse Hits der Sechziger-Jahre: Wenn man genauer hinhört, kann man die jeweiligen Einflüsse herausfiltern. Auf dem Titeltrack zitiert Aceyalone zum Beispiel Phil Spector und dessen Einfluss auf die Ronettes. Bei anderen Nummern liegt der warme Vibe klassischer Motown-Vocal-Gruppen wie der Four Tops in der Luft. Und auch der Godfather of Soul schaut vorbei: Auf der dreckigen Funknummer "Can´t Hold Back" sagt Aceyalone seiner imaginären Band in bester James Brown Manier, wo's lang geht.
Cover Aceyalone & The Lonely Ones
Auf diesen Revival-Beats würde so manch großer Name der Rapszene ins Schlingern geraten. Aceyalone fängt mit seinen Raps den groovenden Sound perfekt ab: Er passt sich den Beats an und spielt mit ihnen. Dann rappt er schmuv zurück gelehnt, um kurze Zeit später wieder richtig auf die Tube zu drücken. Auch mit seinen Texten holt er die Sixties zurück ins neue Jahrtausend: Von typisch süßen Liebesgeschichten bis hin zu einem politischen Song mit dem Black-Panther-Zitat "Power To The People" reicht sein Repertoire. Aceyalone and the Lonely Ones ist zwar nur etwas mehr als eine halbe Stunde lang, aber länger braucht’s auch nicht: Denn das Retro-meets-Moderne-Konzept geht vom ersten bis zum letzten Track auf.
