Spielwiese on3-radio : Der digitale Hut geht um!
Von Matthias LeitnerEine Million Euro in einer Woche: So schnell kann es gehen, wenn man Stromberg heißt. Durch Crowdfunding kann jeder sein Projekt im Netz finanzieren. Die Spielwiese packt den digitalen Hut aus und sucht die spannendsten Projekte.
Auf Online-Plattformen wie startnext oder mySherpas kann jeder sein Projekt vorstellen und darf hoffen, dank vieler Fans und edler Spender seinen Traum vom eigenen Film, dem eigenen Game, Buch oder was auch immer zu erfüllen. Hauptsache man überzeugt die Netzgemeinde. Wie funktioniert Crowdfunding? Welche Projekte haben eine Chance auf Erfolg? Warum sind vor allem die Vereinigten Staaten mal wieder so viel weiter vorne dran als wir?
Crowdfunding und seine Tücken
"Gamecast TV" könnte eine Revolution sein. Die Technik verbindet Videospiele und Fernsehserien: Jeder kann mit seinem Avatar zum Hauptdarsteller einer digitalen Story werden. Bei einem Crowdfunding Versuch ist "Gamecast TV" allerdings gescheitert. Projektleiter Thomas Schmieder erklärt die Technik, spricht über den Tod in digitalen Welten und seine Crowdfunding Erfahrungen.
"Es ist ein großer Kraftakt."
In München hat Chris Schiebel das Magazin "deinblick" gegründet, aber der Inhalt ist international: Autoren aus aller Welt reichen zu einem Thema ihre Beiträge ein und die auf ganz Europa verstreute Redaktion bringt die besten davon ins fertige Heft. Bei Chris Schiebel hat das Experiment Crowdfunding funktioniert, aber Organisation, Werbung und Spendeneinsammeln war ein großer Kraftakt.
"Das steckt noch in den Kinderschuhen"
Mit "mySherpas" hat Markus Zabel Ende 2010 eine der ersten Crowdfunding-Plattformen gegründet. Zwischenzeitlich – vor Stromberg und Co. - hatten die Münchner mit "Leonhardt", einem unternehmerischen Sozialprojekt zur Resozialisierung Strafgefangener, auch das größte, erfolgreiche Crowdfunding-Projekt abgeschlossen. Nach rund einem Jahr zieht Markus Zabel Bilanz.
Crowdfunding in Deutschland - Ein kurzer Überblick
Ob wirrer Künstler, knallharter Geschäftsmann oder beides in Personalunion: Bei Crowdfunding findet jeder seinen Platz, denn die Bandbreite an unterschiedlichen Plattformen in Deutschland ist groß. Hier ein kurzer Überblick: Wer passt zu welcher Plattform und was kommt an?
Zehn gelungene Crowdfunding-Projekte
Das Label Lauscherlounge Records finanzierte die Hörspiel-Krimi-Reihe "Richard Diamond" über die Crowdfunding-Community startnext.de. 215 Unterstützer sammelten insgesamt 6.425 Euro.
Der Mathematiker Tom Henderson rief via kickstarter.com dazu auf, ein Buchprojekt über den Zusammenhang zwischen Punk und Mathematik zu unterstützen. Statt der benötigten 2.400 Dollar nahm er 28.701 Dollar ein.
Die Produktion des Musical-Films "How Do You Write A Joe Scherman Song" wurde von 239 Unterstützern der Community kickstarter.com gerettet, die insgesamt 31.101 Dollar aufbrachten.
Zwei Wiener Filmwissenschaftsstudenten sammelten via mySherpas.com Geld für den Dokumentarfilm "Sie nannten ihn Spencer". 121 Unterstützer ermöglichten einen Interviewdreh mit Bud Spencer.
Gamesentwickler Chris Strauß sammelte über die Plattform pling.de 15.490 Euro von 153 Unterstützern für die Entwicklung des Spiels "Saber Rider And The Stars Sheriffs".
271 Unterstützer auf inkubato.com ermöglichten die Produktion eines Dokumentarfilms über die legendäre Berliner Bar25. Sie brachten sogar 1.991 Euro mehr auf als nötig.
Die amerikanische Sängerin April Smith konnte via kickstarter.com 224 Anhänger mobilisieren, die mit 13.099 Dollar ihre Albumproduktion finanzierten.
Fans des Buchs "Blue Like Jazz" starteten auf kickstarter.com eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung einer Romanverfilmung. Eingenommen wurde fast das Dreifache der nötigen Summe.
Die Macher des Films "Hotel Desire" riefen eine eigene Crowdfundig-Plattform ins Leben, um ihre Produktion zu finanzieren. Durch Spenden von mindestens fünf Euro kam insgesamt ein Budget von 170.000 Euro zustande.
Trotz erfolgreicher Teilnahme an diversen Filmfestivals schaffte es der Film "Happy New Year" über einen aus dem Irak heimgekehrten Soldaten nicht in die Kinos. Die dafür nötigen 25.000 Dollar wurden per Crowdfunding über die Plattform indiegogo.com eingespielt.

