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Film // Kriegerin Nazi-Braut aus Leidenschaft

Von Matthias Leitner

Richtige Zeit, falscher Film: Im Thriller "Kriegerin" will Nachwuchsregisseur David Wnendt die deutsche Neonazi-Szene aus weiblicher Perspektive beleuchten und schrammt haarscharf daran vorbei, den braunen Sumpf zu idealisieren.

Die Kriegerin

Schon der Großvater war Nazi, weshalb es der Lieblingsenkelin Marisa (Alina Levshin) auch nicht schwerfällt, in Zeiten von Zukunftsangst und Familiengewirr Neonazi aus Überzeugung zu sein – einschlägige Tattoos, Reichsflaggen und Nazifreund inklusive. Dass ihr "Alter", ein baumgroßer Glatzkopf und tumber Schläger, gerade einsitzt, ist für Marisa natürlich ein Wermutstropfen. Bei einem Besäufnis trifft sie dann auf Svenja (Jella Haase), die sich zu Marisas Clique hingezogen fühlt und vor allem die eigenen Spießereltern mal so richtig schocken will. Was wäre dazu besser geeignet als ein bisschen Nazi spielen? Außerdem trifft Marisa auf Rasul, einen afghanischen Flüchtling, und zwar vorsätzlich und mit der Stoßstange ihres Autos.

Ein radikaler Ansatz

"Kriegerin" von David Wnendt scheint der richtige Film zur richtigen Zeit zu sein: Gerade ist der Nazi-Terror in die Republik zurückgekehrt, und eine längst überfällige Diskussion über grassierendes rechtes Gedankengut wird wieder aufgenommen. Der Ansatz, den Wnendt für seine Auseinandersetzung wählt, ist dabei respektabel und mutig: Er setzt uns als Hauptfiguren ausgerechnet zwei junge Frauen und nicht die üblichen männlichen Schlägertypen vor die Nase.

Eine der beiden Frauen ist bereits mittendrin in der Szene, die andere als Frischling gerade dabei, einzusteigen. Dabei will Wnendt die vermeintliche Männerwelt des stumpfen Faschismus den Zuschauern endlich einmal aus weiblicher Perspektive servieren und präsentiert die beiden Damen deshalb auch nicht als unschuldige Hascherl oder einfach als verführte Mitläufer. Nein, die beiden haben sich ihre Freunde schon schön selbst ausgesucht und sind auch physischer Gewalt nicht abgeneigt.

Fast schon eine Idealisierung

So radikal der Ansatz, so wenig ist Wnendt als Erzähler seiner selbstverfassten Geschichte gewachsen. Er setzt die typischen Insignien der Szene stilisiert um und bebildert noch dazu deren klischierte Rollenmuster – der stiernackige Anführer, der feist-perverse Nazi-Intellektuelle, die blonde Braut. Weil dann auch noch die Dramaturgie, von den hanebüchenen Details bis zum großen Handlungsbogen, alles in allem den Erzählmustern des Mainstreamkinos folgt, schrammt "Kriegerin" nur haarscharf und mit viel Glück an der Szeneidealisierung vorbei. Lediglich die Hauptdarstellerinnen Alina Levshin und Jella Haase spielen gegen die vielen Schwächen der Inszenierung an und sind wirkliche Entdeckungen.

Das müsst ihr sehen: Nationalsozialismus und Jugend.

1. "Hitlerjunge Salomon" (1989) – Die wahre Geschichte eines jüdischen Jungen, der als Mitglied der Hitlerjugend den Holocaust überlebt. Nach der Autobiografie von Sally Perel hat Agnieszka Holland den Film glänzend inszeniert und wurde damit für einen Oscar nominiert und international gefeiert.

2. "American History X" (1998) – Einst war Derek der große Anführer eines Nazi-Rudels und Vorbild seines kleinen Bruders. Doch nach seiner Haftstrafe wegen Mordes hat er sich verändert – seine Umwelt will das nicht akzeptieren. Edward Norton liefert hier eine seiner besten Leistungen.

3. "Silberwald" (2010) – Schnee liegt im Emmental, das in seiner Einöde die Dorfjugend erdrückt. Es gibt nichts zu tun, außer auf der Stelle zu treten. Christine Repond schildert in ihrem Film die Einsamkeit, das nicht-wissen-wohin eines Jungen, der von der glatzköpfigen Gemeinschaft in eine Waldhütte gelockt wird.


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