Artikel Artikel

22. Bamberger Kurzfilmtage Von schwulen Flamingos und Groove-Fanatikern

Von Karl Weidenbeck

Von regional bis global, von der Live-Performance bis zur Computer-Animation: Die Kurzfilmtage in Bamberg haben jede Menge Perlen im Programm. Einige davon kann man sogar frei im Netz betrachten.

"Stuck in a Groove" von Clemens Kogler

Was wäre, wenn nicht der Plattenspieler, sondern das eigene Leben hängt? Ein einziger Moment in Endlosschlaufe. "Stuck in a Groove" spielt diese Möglichkeit mit verschiedenen Situationen durch und unterlegt den Text mit passenden Bildern bekannter Plattencover. Ein Trickfilm der besonderen Art. Denn der 31-jährige Österreicher Clemens Kogler erzeugt die Bilder live mit seinem selbst entworfenen "Phonovideo"-Apparat. Aus Turntable, Kamera und Mischpult entsteht eine surreale Collage, die klar macht wie unerbittlich die Vergänglichkeit ist: Jedes Glück zerschellt am Versuch, es zu wiederholen. Oder: "Remixes are mostly worse."

"Stuck in a Groove" wurde bei der Eröffnungsveranstaltung am Montag, 23.01.2012 in der Villa Concordia gezeigt. Wer ihn verpasst hat: Regisseur Clemens Kogler hat ihn ins Netz gestellt.

Szene aus dem Kurzfilm

"Parigot" von Mehdi Alavi, Loïc Bramoullé, Axel Digoix, Geoffrey Lerus und Alexandre Wolfromm

Die Absolventen der Animationsfilmschule Georges Méliès spielen in der Pariser Altstadt den Kampf ums Überleben anhand einer Alltagsszene durch. Der Konfliktherd: Luxus-Gastro trifft auf blanken Hunger. Ein schnieker Kurier holt für eine betuchte Dame eine Bestellung in einer Brasserie ab, wobei ihm eine Taube in die Quere kommt. Offenbar die Komplizin eines Stadtstreichers, der das Ablenkungsmanöver nutzt, um die Delikatessen samt Servierglocke zu stibitzen. Zu orchestralen Streichern entwickelt sich nun eine Hetzjagd über Dächer und Gassen hinweg, die dank der Solidarität aller Stadttauben mit dem vermeintlichen Triumph der Besitzlosen endet. Vermeintlich, weil die Beute mitnichten zufriedenstellend ist.

Auch "Parigot" lief bei der Eröffnungsveranstaltung, ist aber ebenfalls frei im Netz verfügbar.

Flamingo Pride (c) Tomer Eshed/Talking Animals/HFF Potsdam 2011

"Flamingo Pride" von Tomer Eshed

Wie hängen soziale Normen und Segregation zusammen? Tomer Eshed, Mitglied des Berliner Animationsstudios "Talking Animals", zeigt es an einer Parabel: Hier die schwulen Flamingos beim Rave, dort das Idyll der Störche, Enten und Frösche. Es könnte so schön sein. Würde nicht ein Flamingo aus der Reihe tanzen, dem Hedonismus entsagen und sich in eine Störchin verknallen. Seine Annäherungsversuche scheitern, erst recht, als er seine Männlichkeit mit einem Tigerkostüm demonstrieren will. Dies wiederum ruft seine Artgenossen auf den Plan, bei denen er mit dem Outfit vom uncoolen Hetero zum Sexsymbol wider Willen avanciert.

Zu sehen am

Mittwoch, 25.01.2012, 22.30 Uhr im Lichtspielkino und am
Donnerstag, 26.01.2012, 20.15 Uhr im Odeon Kino

"Freak City 8.0 – the next Level" von Christian Schöfer

Als aktiver Fan der "Brose Baskets" und Hobbyfilmemacher steuert Christian Schöfer zu jeder Saison ein Video bei, für das er Aufnahmen der Vorbereitungsspiele mit Sequenzen aus den Playoffs arrangiert. "Freak City 8.0" ist der achte Teil einer Reihe, die der in und um Bamberg epidemisch grassierenden Basketball-Verrücktheit ein Denkmal setzt. Normalerweise läuft der Zweiminüter vor den Heimspielen am Videowürfel, um die 7.000 Fans für die Europa-Cup-Ambitionen des Basketballvereins einzustimmen. Bei den Kurzfilmtagen ist "Freak City 8.0" für den Regionalfilmpreis "Bamberg dreht ab!" nominiert. Mit ihm werden Produktionen gewürdigt, die das Leben in Oberfranken thematisieren.

Zu sehen am

Donnerstag, 26.01.2012, 18.00 Uhr im Odeon Kino

Mehr zu:

Das könnte dich auch interessieren

Kinokolumne Dienstag ist Kinotag

Wir sagen euch, welche neuen Filme ihr auf keinen Fall verpassen dürft und für welche ihr euer Taschengeld lieber in die Videothek eures Vertrauens investiert. Ein Film, eine Meinung, einmal die Woche.

Artikel vom: