Ein Jahr Revolution in Ägypten : Ganz nah dran an der Tahrir-Bewegung
Eigentlich wollte Alex nur seinen Freund Sammy in Kairo besuchen. Doch dann bricht die Revolution aus, und die beiden sind mittendrin. Sie sehen Ereignisse, die das Land verändern. Und halten sie in Bildern fest.
Kairo, 27. November: Mohamed Said wurde in der Schlacht um das Innenministerium verletzt. In einer Moschee, die als Krankenlager genutzt wird, lässt er sich die Verbände wechseln. Zu diesem Zeitpunkt ist die Revolution schon seit elf Monaten im Gange.
25. Januar: Während der Polizist mit Helm und Schild auf Anweisungen seines Vorgesetzten wartet, fordern die Demonstranten im Hintergrund den Rücktritt des Präsidenten Hosni Mubarak.
Die Partei Mubaraks hinterlässt verbrannte Erde: Mitglieder haben die Parteizentrale angezündet. Mit ihr verbrennen alle Dokumente aus 30 Jahren Ein-Parteien-System.
Zwei zufriedene Ägypter vor dem brennenden Parteigebäude. Sie freuen sich über die ersten Erfolge der Proteste.
In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar zieht sich die Polizei nach schweren Auseinandersetzungen mit den Demonstranten aus den ägyptischen Städten zurück. An diesem Tag sterben landesweit 800 Menschen. In der Nacht übernimmt das Militär die Kontrolle über die Straßen.
29. Januar: Erschöpfte Demonstranten nach den Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Ein Grafitti in der Tahrir Straße zeigt Hosni Mubarak. Darunter steht: Arhal, was "Geh endlich!" bedeutet.
Wochenlang fordern Protestanten den Rücktritt des Präsidenten Mubaraks. Sie schreien ihn heraus und schreiben ihn auf die Straße. So wie hier am Tahrir Platz.
Ein Demonstrant schreibt einem anderen das Wort "Freedom" auf die Stirn. Die Forderungen auf dem Tahrir Platz lauten: "Leben, Freiheit, Menschenrechte".
6. Februar: Zwei Männer sitzen an einer Bushaltestelle am Bab el Louq in Kairo. Fünf Tage später tritt Hosni Mubarak zurück. Ägypten ist frei.
9. September: Die liberale Opposition ruft zum Protest gegen die Notstandsgesetzgebung auf. Ihr Slogan lautet: "Wir sind für die Revolution und keine Verbrecher".
9. September: Friedlich und engagiert demonstrieren Männer und Frauen gemeinsam. Am Abend brennt die israelische Botschaft. Dutzende sterben, hunderte werden verletzt.
Die Militärregierung treibt die Menschen auf die Straße.
28. November: Seit einer Woche wird gewählt. Es sind die ersten Wahlen in Ägypten seit sechzig Jahren. Überwacht werden sie von den Polizisten, die einige Tage zuvor Menschen verprügelt und erschossen haben.
Auf der Mütze des Jungen steht "25. Januar" - der Tag der Revolution. 2012 soll die Revolution weitergehen...
Zeitzeugen wider Willen
Januar 2011: Alex Fehlner fliegt nach Ägypten, um seinen Freund Sammy Khamis zu besuchen. Er studiert in München Kulturwissenschaften und möchte in Ägypten ein paar Wochen Urlaub machen. Sammy ist auch Student in Deutschland und Halbägypter. Er ist für ein paar Monate zu Besuch bei seiner Familie. Als am 25. Januar 2011 auf dem Tahrirplatz die Revolution losgeht, sind die beiden Freunde mittendrin. Sie machen Fotos und fahren auch die nächsten Tage immer wieder zum Ort des Geschehens.
Während dieser Zeit berichtet Sammy auch vor Ort für on3 und beschreibt die Lage.
Ihre Bilder zeigen die beiden jetzt in München unter dem Titel "ÄGY.REV" zusammen mit Roman Häbler. Fotokollektiv "Park15" nennen sich die drei Studenten. Die Ausstellung ist vom 28. Januar bis zum 4. März im Café GAP zu sehen.
