Gamescheck // The Legend of Zelda: Skyward Sword : Lasst Link endlich labern!
Von Franz LieblHeld Link läuft seit 25 Jahren durch das immer gleiche Spiel. Aber das ist auch in seiner 16. Auflage wieder sehr gut. Es sollte ihm nur mal jemand das Sprechen beibringen.
Zelda ist dieses Mal keine Prinzessin, sondern die Tochter des Bürgermeisters. Link und Zelda sind verliebt. Kurz bevor sie sich das erste Mal küssen, wird Zelda entführt. Link hechtet heldenhaft hinterher.
Toll: Der Einsatz der Wii-Motion Plus wirkt sich stark auf das Gameplay aus. Schwerthiebe können und müssen mit der Fernbedienung zielgenau ausgeführt werden. Hier muss man also von oben nach unten schwingen.
Und hier von schräg unten nach schräg oben.
Das typische Zelda-Gefühl: Ohne Ende unterschiedliche Gadgets, die man geschickt einsetzen muss, um an verborgene Herzteile, Schlüssel, Rubine und Endbosse zu kommen.
Für jeden Endgegner braucht man die richtige Taktik. Was mache ich hier am besten mit meiner Peitsche?
Man darf sich vom kindlichen Charme nicht täuschen lassen. Für dieses Augenrätsel relativ am Anfang des Games, habe ich vor lauter Verzweiflung in der Komplettlösung nachschauen müssen.
Per Vogel reist man durch die Lüfte. Schön. Hier übrigens auch im Hintergrund zu sehen: der Farbtupfeffekt.
Die neuen Rollenspielelemente machen sich sehr gut. In den einzelnen Levels sammelt man die unterschiedlichsten Materialen ein. Beim Dorfschmied werden sie gegen Rubine verarbeitet.
Alles wie gehabt in "Skyward Sword": Zelda wird von einem fiesem Bösewicht entführt, Link hechtet hinterher. Von einer Oberwelt aus startet er sein Abenteuer, das ihn durch diverse Wald-, Lava-, Wasser- und Höhlenwelten führt. Dort warten unzählige Rätsel und Kämpfe auf ihn. Mit der Zeit hat Link einen ganzen Sack voll mit den verschiedensten Gadgets, ohne deren geschickten Einsatz er nicht weiter kommt. Man kann sagen was man will, aber das Spielprinzip ist einfach unverwüstlich und macht auch beim neuen Zelda-Game wieder sehr viel Spaß.
Neue Rollenspielelemente vertiefen das Spielgefühl
Was ich besonders gut finde an "Skyward Sword": in der Welt liegen neuerdings Materialien verteilt, mit denen man beim Dorfschmied seine Ausrüstung aufmotzen kann. Klingt banal, aber dadurch bin ich viel tiefer in die Spielwelt eingetaucht. Wirklich jeden Winkel hab ich abgesucht, um zum Beispiel den dringend benötigten fünften Bernstein für eine Schildaufrüstung zu finden.
Links neues Abenteuer erfordert echten Körpereinsatz
Apropos Schild. Will ich mich damit verteidigen, muss ich auch vor der Glotze den Schildarm heben. Und noch mehr: Bäume lassen sich jetzt schnittgenau mit einem Schwung der Wii-Fernbediehnung wegschnibbeln. Gegner müssen an bestimmten Stellen exakt getroffen werden. Eine Spinne zum Beispiel am Bauch. Dafür schwinge ich das Schwert erst einmal von unten nach oben und schmeiße das Vieh auf den Rücken. Dann kann ich sie mit einem Sprungangriff erledigen. Und für einen ganz besonderen Angriff strecke ich meinen Schwertarm Richtung Zimmerdecke. Link lädt dann sein Zauberschwert mit Blitzen aus dem sommerblauen Videospielhimmel auf, wie He-Man zu seinen besten Zeiten. Kaum eine Bewegung von Link, kaum eine Benutzung eines Gadgets geht ohne Körpereinsatz des Spielers. Das ist schon ein Erlebnis. Aber Achtung: Das alles geht nicht ohne Controller-Update. Für "Skyward Sword" braucht man eine Wii-Motion-Plus Erweiterung. Erst mit der gelingen diese präzisen Bewegungen.
Das Disney-artige Trickfilm-Feeling wird durch Teletubbie-Ansprache zerstört
Was mich am neuen Zelda-Game stört, ist zuerst einmal die Optik. In unmittelbarer Nähe von Link sieht "Skyward Sword" manchmal wie ein runtergerechnetes Youtube-Video aus. Verschwommen und verpixelt. Und über alles, was am Horizont erscheint, wird ein grober Farbtupfer-Look gelegt, den ich alles andere als schön finde. Das ist weit entfernt von Design-Highlights wie der Tuscheoptik eines "Okamiden" oder auch vom Zeichentrick-Zelda "The Wind Waker". Okay, mit dem schwachen Grafikdesign könnte ich noch leben. Viel schwerer wiegt für mich aber der ewige Zelda-Kritikpunkt: Keiner kann sprechen. Jede Figur gibt nur Emotions-Laute von "Ahhh" bis "Zsss" von sich. Den Inhalt dieser Hülsen gibt es nur als Untertitel zum Lesen. Das hat mich bei allen bisherigen Zelda-Games nie gestört. Doch bei "Skyward Sword" zerstört es wirklich das Spielgefühl. Baut das Game doch wie kein anderes Zelda-Spiel zuvor eine großartige Zeichentrickfilmstimmung auf. Und das mit seinen lustigen bis putzigen Charakteren, seiner märchenhaften Musik, seiner bunten Fantasiewelt und seinen naiven Emotionen. Fast wie in Disney-Klassikern wie "Dschungelbuch" und "König der Löwen". Ein kindliches Abenteuer, das sich auch Erwachsene gerne reinziehen. Aber durch die Teletubbie-Sprache wird diese Gefühl leider kaputt gemacht. Von daher meine große Bitte: Lasst Link endlich labern!
The Legend of Zelda – Skyward Sword (Nintendo // für Wii // USK: ab 12)
