Vorgestellt // Schlachthofbronx : Einmal Bayerische Basswatschn, bitte!
Von Michael DöringerVon Local Heroes zu internationalem Ruhm: Seit 2008 kultiviert Schlachthofbronx aus dem Münchner Metzger-Ghetto einen unorthodoxen Exotensound, der den Nerv der Zeit getroffen hat. Alle Welt bounct zu Munich Bass!
Der Gründungsmythos der Schlachthofbronx ist eher schlicht: Langeweile zwischen Güterbahnhof, Siff-Spielplatz und Arbeitsamt. Spinnerte Ideen dank zu viel Dosenbier und Malawi-Gin. Banal und dreckig - wie der Sound.
Hier entsteht Munich Bass, ein Hybrid aus Ghetto Tech, Kuduro, Baltimore Club, Dubstep und Miami Bass. Heißblütiges Abzappel-Potential aus den temperamentvolleren Ecken der Welt ist ganz klar die wirksamste Waffe gegen die dröge Minimal-Abfahrt in unterkühlten europäischen Clubs. Booty-shaken bis nichts mehr geht gegen die große Langeweile.
Schlachthofbronx ist nachtaktiv und dementsprechend in den Münchner Clubs unterwegs. Als DJ-Team, an der Trinkhallen-Theke und inzwischen auch mit einem ohrenbetäubenden und bootybewegenden Live-Set - dank Ravesirenen, Trillerpfeifen und natürlich jeder Menge BASS!
Nach dem ersten Album 2009 gab es kein Halten mehr für die Dreier-Gang, künstlernamentlich Subbass-Commandante Graf von Stierendfroed, Bass-King T und DJ King Augenring, obwohl sie keine ganz Unbekannten waren und schon lange in Münchner Soundsystems und Bands aktiv sind. Seit ein paar Jahren bollert die mitterlweile zum Duo geschrumpfte Partytruppe durch die Dancehalls und über die Festivalbühnen rund um den Erdball. 2010 hatten Bene und Jakob folgende Termine im Kalender: Russland, Mexiko, Kanada, das SXSW-Festival in Austin und das Sónar-Festival in Barcelona - nuff said. 2011 kam der verdiente Ritterschlag: Exotik-Bass-Platzhirsch Diplo holte Bene und Jakob für zwei stramme EPs zu seinem Label Mad Decent.
Wirklich: Gefühlt jeder clubaffine Mensch in Deutschland kennt mittlerweile Schlachthofbronx, die wohl gerade das nächste große Kapitel der Mjunik Disco schreibt. Ende März 2012 erscheint ihr zweites Album mit dem programmatischen Namen "Dirty Dancing". Diesmal lautet allerdings die Devise: Weniger ist mehr und Ghettohupen sind nicht alles. Wir böllern mit, so oder so.


