on3 schaut Bodi Bill in die Geldbörse Je digitaler, desto ärmer

Von Michael Bartlewski

CD, Vinyl, Download, Stream – Musik kann man in vielen Formen kaufen. Nur beim Künstler bleibt nicht dasselbe hängen. Die Elektro-Band Bodi Bill hat uns auf ihren Lohnzettel schauen lassen. Das Ergebnis: Digital lohnt kaum.

Bodi Bill

Ihre aktuelle Konzert-Tour ist ausverkauft. Ihr letztes Album "What?" wurde von den Kritikern gelobt. Die Videos ihrer neuen Singles wurden fast 300.000 mal auf Youtube angeschaut. Und überhaupt macht die Berliner Band Bodi Bill mit ihren Experimenten zwischen Pop und Elektronik so ziemlich alles richtig.

Trotzdem können Bodi Bill nicht vom Verkauf ihrer Musik leben – und damit geht es der Band wie vielen Independent-Musikern, die vor einigen Jahren noch ein Auskommen als Vollzeit-Musiker gehabt hätten. Bodi Bill und ihr Label Sinnbus haben on3 jetzt exklusiv ihren Lohnzettel gezeigt. Die Zahlen erlauben einen seltenen Einblick in die Realität des Musikgeschäfts und sie zeigen: Je stärker Musik zu einem wenig greifbaren, digitalen Datensatz wird, desto weniger verdienen die Bands damit.

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Wer Bands mag, der kauft CDs

Was verdienen Bodi Bill?

Für eine CD zahlt man durchschnittlich 15 Euro. Davon gehen erst einmal 19 Prozent Mehrwertsteuer weg. Der Händler behält weitere 25 Prozent, der Vertrieb nochmal 21 Prozent. Dazu kommen in der Regel noch Abgaben an die GEMA und die Herstellungskosten.

Beim Musiklabel landet im Idealfall noch knapp die Hälfte vom Verkaufspreis. Bodi Bills Plattenfirma Sinnbus gibt davon immerhin 40 Prozent an die Band weiter. Das macht 2,88 Euro netto, pro verkaufter CD. Damit liegt die Band leicht über dem Standard. Deutsche Indie-Bands verdienen je nach Deal zwischen 1,90 Euro und 2,60 Euro pro verkauftem Album, das hat der Verband unabhängiger Tonträger bei einer Befragung seiner Mitglieder herausgefunden. Im Fall von Bodi Bill landen am Ende nur noch 19 Prozent vom Verkaufspreis bei der Band.

Übrigens, wer seine Lieblings-Band unterstützen möchte, sollte das Album immer beim Konzert oder direkt über den Online-Shop des Labels kaufen. Denn dort fallen die Kosten für Vertrieb und Händler weg – die Band erhält so fast das Doppelte.

Downloads: Legal aber weniger lukrativ

Wie viel verdient Bodi Bill?

Aktuell gibt es Bodi Bills Album "What?" für 8,99 Euro bei iTunes und für 7,70 Euro bei Amazon zum Herunterladen. Bei der Band bleiben davon 1,73 Euro, beziehungsweise 1,70 übrig. Das sind 19 Prozent vom Verkaufspreis – also der gleiche Anteil wie beim CD-Verkauf.

Allerdings liegt der konkrete Erlös pro verkaufter Einheit über ein Euro niedriger. Außerdem können Alben-Downloads immer noch nicht mit den Verkäufen von physischen Tonträgern mithalten. Im März, dem Veröffentlichungsmonat, haben Bodi Bill 1397 CDs verkauft - mehr als doppelt so viel wie Alben-Downloads über iTunes und Amazon zusammen (554 Stück).

Wie viel verdient Bodi Bill?

iTunes verlangt einen Standard-Betrag von 99 Cent pro Einzeldownload. Bei Amazon ist der Preis etwas niedriger: 77 Cent für einen Track. Davon erhalten Bodi Bill rund 20 Prozent.

Streams: Das Hartz IV unter den Vergütungsmodellen

Wie viel verdient Bodi Bill?

Streaming ist angeblich die Zukunft der Musik-Nutzung. Nur bleibt in dieser Zukunft kaum etwas für den Musiker selbst übrig. Zwar wirbt Simfy auf seiner Seite mit dem Spruch: "Und alle profitieren" und schmückt sich mit den Logos der großen Musik-Labels. Aber in der Realität kommen im Fall von Bodi Bill pro gestreamten Song nur 0,001248 Euro beim Künstler an.

Von solchen Mikro-Beträgen können Musiker nicht überleben. Im November 2011 haben Bodi Bill für 5300 Streams bei Simfy gerade einmal 6,20 Euro verdient. Klingt wenig, ist es auch. Mit zwei verkauften CDs verdient die Band fast genauso viel.

Wieviel hat Bodi Bill insgesamt verdient?

Was verdienen Bodi Bill?

Insgesamt haben Bodi Bill 2011 knapp 3.700 CDs von ihrem aktuellen Album verkauft. Dazu kommen 1.100 Vinyl-Platten. Abzüglich der Mehrwertsteuer und 60 Prozent Labelanteil macht das rund 15000 Euro. Die Graphik zeigt, drei Viertel ihrer Einnahmen aus Musikverkäufen stammen noch von klassischen Tonträgern. Über Download-Shops wie iTunes oder Amazon hat die Band gerade einmal 4300 Euro verdient. Der Streaming-Anteil ist eigentlich vernachlässigbar.

Tatsächlich verdienen Bodi Bill aber sogar noch weniger. Denn in dieser Graphik fehlt noch ein wichtiger Posten – die Produktionskosten des Labels. Bodi Bills Label Sinnbus hat in das Album noch vor der Veröffentlichung rund 30.000 Euro investiert – dazu zählen Ausgaben wie Marketing und Promotion, Zahlungen an die Gema, Pressen der CDs und Mastering. Die 30.000 Euro zieht das Label von seinen Einnahmen ab und erst wenn die Produktionskosten wieder hereingeholt sind, der so genannte "Break Even" geschafft ist, werden der Band ihre 40 Prozent vom Gewinn ausgeschüttet. Nach Break bleiben bei Bodi tatsächlich nicht 19.400 Euro sondern nur 7.400 Euro.

Was die Graphik ebenfalls nicht verrät: Die Band hat drei Jahre lang an dem Album gearbeitet, Songs geschrieben, Ideen entwickelt. Bei den eigentlichen Studio-Aufnahmen hat sie das Glück, dass Bandmitglied Anton Feist über ein eigenes Tonstudio verfügt. Sonst lägen die Kosten für die Album-Produktion noch viel höher – sie hätten den "Break Even" nie geschafft.

Band an der Armutsgrenze

Zum Schluss ein kleines Gedankenexperiment: Angenommen, eine Band müsste nur vom Verkauf ihrer Musik leben und würde nichts mit Konzerten oder Merchandise verdienen, könnte sie davon leben? Oder würde sie unterhalb der Armutsgrenze landen? Das Statistische Bundesamt bezeichnet jeden als arm, der weniger als 940 Euro im Monat zum Leben hat. Bei einer dreiköpfigen Band macht das 33840 Euro im Jahr. Wir haben hier mal dargestellt, wieviel Platten (gerechnet mit dem Durchschnittswert pro verkaufter Platte), Downloads oder Streams Bodi Bill theoretisch hätten verkaufen müssen, um die Armutsgrenze zu erreichen.

Bodi Bill Armutsgrenze

Hier zeigt sich wieder, dass es Künstler ungleich viel schwerer haben, mit digitalen Musikformaten Geld zu verdienen als mit klassischen Tonträgern: Bodi Bill bräuchten das 400fache an Streams, als sie bislang vorweisen können, um allein damit ihr Einkommen als Musiker zu bestreiten. Bei CDs und Vinyl sind sie diesem Ziel viel näher.

Musikverkäufe reichen nicht zum Überleben

Allerdings ist das natürlich nur ein Gedankenexperiment. Zum Glück – wie man sagen muss - verfügt die Band noch über andere Einkommensquellen: Geld kommt über Konzerttickets, Merchandising oder die Gema herein. Würden Bodi Bill allerdings nur Musik auf Tonträgern und digitalem Weg verkaufen – sie könnten davon allein nicht leben.

Was verdienen Bodi Bill?