Film // My Reincarnation : Buddha oder Programmierer?
Von Matthias LeitnerWas tun, wenn man der Erbe eines buddhistischen Heiligen ist? Dokumentarfilmerin Jennifer Fox hat zwanzig Jahre lang den Meister Rinpoche begleitet und dessen Sohn, der lieber IT-Spezialist wird, als in die Fußstapfen des Vaters zu treten.
Mehr als zwanzig Jahre lang hat Jennifer Fox für ihre Langzeitbeobachtung den buddhistischen Meister Namkhai Norbu Rinpoche begleitet. In der buddhistischen Tradition ist Rinpoche die Reinkarnation mehrerer Heiliger und in seiner Jugend wurde er von diversen Lehrern in der Tradition des Dzogchen ausgebildet. Dzogchen heißt so viel wie "Die große Vollkommenheit" und es geht natürlich um die Selbstbefreiung des Menschen, allerdings weniger dogmatisch als in anderen Praktiken des Buddhismus.
Schwieriges Erbe
Dokumentarfilmerin Jennifer Fox war selbst Schülerin Rinpoches und fing eines Tages an, ihn im italienischen Exil mit der Kamera zu begleiten.
So wurde sie Teil seiner Familie und lernte seinen Sohn Yeshe kennen, den sie zu einer zentralen Figur ihres Filmes macht: Je älter der Meister wird, desto mehr tritt Yeshe in den Mittelpunkt der Geschichte. Auch er ist eine Reinkarnation - und zwar die seines Großonkels. Doch Yeshe will die Tradition nicht weiterführen, er will kein Meister werden, sondern ein ganz normales Leben führen - eine Familie gründen und in seinem Job als IT-Spezialist erfolgreich sein.
Generationenkonflikte und heiliges Leben
"My Reincarnation" zeigt die familiären Konflikte an der Schnittstelle zwischen Tradition und modernem Leben, zeigt die versuchte Emanzipation eines Sohnes von seinem heiligen Vater, zeigt die Pilger und Schüler des Meisters, zeigt eine geheimnisvolle Welt des Glaubens. Der Film ist überreich an Eindrücken, und Jennifer Fox schafft es, aus der Menge an Material, das sie in den Jahren gesammelt hat, gekonnt einen Film zu machen, der selbst wie eine Meditation wirkt - der traurig und zugleich humorvoll ist.
Das müsst ihr sehen: Buddhafilme und Tibet auf Zelluloid
1. "Little Buddha" (1993) - Keanu Reeves als Reinkarnation eines Lama. Der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci erzählt das Leben von Siddharta Gaumata vor dem Hintergrund einer Coming-of-Age Geschichte.
2. "Kundun" (1993) - Nachdem die Reinkarnation des 13. Dalai Lama gefunden wurde, beginnt dessen Ausbildung. Martin Scorsese schwelgt in den Zeremonien der buddhistischen Mystik und erzählt am Ende die Flucht des Lamas vor den Chinesen.
3. "Frühling, Sommer, Herbst, Winter und... Frühling" (2003) - Ein buddhistischer Mönch und sein Schüler. Als Episodenfilm im Laufe der Jahreszeiten aufgebaut, nähert sich der Film über stille Naturbilder den großen Tragödien der Menschheit.
