Bayern im Film : Hollywood vs. Bavarianwood
Wikinger am Walchensee, D'Artagnan in Bamberg und Harry Potter vor den Toren Rothenburgs: Die richtige Location ist die halbe Miete für großes Kino. Und Bayern hat jede Menge davon. Die Hotspots für Movies made in Bavaria.
Als Drehkulisse genießen einige Fleckchen Erde in den bayerischen Bergen Kultstatus: Michael Herbig verwandelte für "Wickie und die starken Männer" die Sachenbacher Bucht am Walchensee in ein skandinavisches Kleinod.
Um die Fortsetzung seines Kinohits "Wickie auf großer Fahrt" gleichermaßen authentisch zu bebildern, kehrte Bully mit seiner Crew zwei Jahre darauf ins Jachenauer Tal zurück.
Hans Steinbichler siedelte seinen Debütfilm "Hierankl", der einen Fall von Inzest im Bauernmilieu behandelt, ebenfalls am Rande des Hochgebirges an: In Sachrang in der Gemeinde Aschau im Priental.
Thomas Kronthaler, der bei einigen Folgen der "Rosenheim-Cops" Regie führte, ließ sich vom Bau eines McDonalds am Irschenberg zu seinem Spielfilmdebüt "Die Scheinheiligen" inspirieren. Und drehte prompt an Originalschauplätzen.
Joe Wright machte das Voralpenland international bekannt, als er im vorigen Jahr für ein einwöchiges Shooting zu seinem Action-Thriller "Wer ist Hanna?" im Tölzer Land gastierte, um einige Holzhüttenszenen aufzuzeichnen.
Ebenfalls 2011 wählte der amerikanische Filmemacher Phil Traill für die Dorfszenen seiner Skihäschen-Komödie "Chalet Girl" Garmisch-Partenkirchen als Drehort.
Und Markus H. Rosenmüller installierte für "Wer früher stirbt ist länger tot" nicht nur eine Radiostation auf dem Wendelstein, sondern filmte auch auf dem alten Bergfriedhof in Ruhpolding im Chiemgau.
Für die Dreharbeiten zu "Sommer in Orange" inszenierte "Rosi" das bayerische Dorfidyll als Reibungsfläche für Integrationskonflikte und begab sich hierfür nach Oberbiberg und Neufahrn.
Mit "Almanya – Willkommen in Deutschland" entstand ein weiterer integrationskritischer Streifen in und um München. Yasemin und Nesrin Samdereli drehten unter anderem in der Schleißheimer Schlossanlage und in Augsburg.
Auf nach Niederbayern: Die Odyssee einer Theatertruppe, die Rosenmüller in seinem Historienfilm "Sommer der Gaukler" zeigt, entstand zum Teil im Tittlinger Museumsdorf, inmitten original erhaltener, jahrhundertealter Bauernhäuser.
In Eggenfelden und im bayerischen Wald stöberte Tim Fehlbaum Spots in Totholzwäldern auf, um für seine postapokalyptische Dystopie "Hell" die richtige Atmosphäre zu schaffen.
Nochmal bayerischer Wald: In "Eine ganz heiße Nummer" taufte Markus Goller die Gemeinde Gotteszell kurzerhand in "Mariazell" um und ließ seine Protagonistinnen (im Bild) eine Telefonsex-Hotline starten, um die Grenzen erzkatholischer Prüderie auszuloten.
Für seine 3D-Variante von "Die drei Musketiere" zog Paul W. S. Anderson einmal quer durch den Freistaat und siedelte diverse Szenen in Burghausen, München und Bamberg an.
Die Bamberger Altstadt stand letztes Jahr gleich noch ein zweites Mal im Rampenlicht: Gregor Schnitzler verfilmte hier Tommy Jauds Roman "Resturlaub".
In "Dreiviertelmond" lässt Christian Zübert, dem mit "Lammbock" der Durchbruch gelang, einen bräsigen Taxifahrer (Elmar Wepper) ein türkisches Mädchen durch die Straßen von Nürnberg und Fürth kutschieren.
Und einen Blockbuster hat Mittelfranken auch zu bieten: David Yates kam für "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" nach Rothenburg ob der Tauber, um vor den Stadtmauern den Diebstahl des Elderstabs durch Grindelwald zu arrangieren.
