Vorwahlkampf der Republikaner : Mitt Romneys peinlichste Patzer
Von Till OttlitzEr hat das meiste Geld, die gemäßigsten Ideen und die besten Chancen, Barack Obama zu schlagen. Trotzdem werden die Republikaner nicht warm mit Mitt Romney. Das könnte an seinen häufigen Ausrutschern liegen.
Ein Kandidat nach dem anderen hat sich selbst mit Skandalen, dummen Bemerkungen oder kompletten Aussetzern ins Abseits geschossen. Bis jetzt haben die Republikaner so schon Michelle Bachmann, Hermann Cain und Rick Perry als Kandidaten verloren. Nur einer leistet sich immer wieder extrem peinliche Patzer und kommt trotzdem weiter: Mitt Romney. Seine Händchen für Sprüche mit Fremdscham-Garantie ist legendär. Obama wird's freuen, denn so hat er reichlich Munition, sollte Romney tatsächlich im Herbst gegen ihn antreten. Unsere Top 3 seiner schlimmsten Ausrutscher.
Platz 3: Die 10.000-Dollar-Wette
Bei einer Debatte in Iowa, die live im Fernsehen übertragen wird, fordert Mitt Romney seinen Mitbewerber um die Präsidentschaftskandidatur Rick Perry zu einer Wette um 10.000 Dollar auf. Es ging um Romneys Gesundheitsreform in Massachusetts: Perry hatte Romney vorgeworfen, er habe früher eine Pflichtversicherung für alle Amerikaner einführen wollen. Romney sagte, das sei nicht wahr. "Wollen wir wetten? Zehntausend Dollar? Ich wette zehntausend Dollar!", sagte Romney. "Ich bin nicht im Wettgeschäft", antwortet Perry kühl. Wer bitte wettet einfach so um 10.000 Dollar?
Platz 2: Romney feuert gerne Menschen
Den Videoclip hat sich die Obama-Kampagne schon golden eingerahmt und sogar seine republikanischen Gegner machten daraus einen Klingelton fürs Handy. Einen Tag vor der Vorwahl in New Hampshire Anfang Januar sagt Mitt Romney jenen Satz, der ihm noch Leid tun wird: "Ich mag es, wenn ich Menschen feuern kann".
Völlig egal, dass es mal wieder um die Gesundheitsreform ging und Romney nur betonen wollte, dass er es wichtig findet, dass man als normaler Kunde eine Versicherung jederzeit kündigen kann. So einen Satz sagt man als Politiker nicht ungestraft. Besonders wenn man Mitt Romney heißt und einen Großteil seines Vermögens als Chef des Investment-Firma Bain Capital gemacht hat. Die kaufte andere Firmen auf, "sanierte" diese und verkaufte sie mit hohem Gewinn weiter. "Sanieren" hieß in den meisten Fällen Massenentlassungen. Kein Wunder, dass Romney gerne Menschen feuert – er ist damit reich geworden.
Platz 1: Romney zahlt unverschämt wenig Steuern
Er hatte sich lange dagegen gewehrt, seine Steuern offenzulegen. Und dann wartete er bis zum dem Tag, an dem Barack Obama seine Rede zur Lage der Nation hielt. Offenbar hoffte Mitt Romney, die Zahlen irgendwie an der öffentlichen Aufmerksamkeit vorbei zu mogeln. Keine Chance.
13,9 Prozent Steuern haben er und seine Frau 2010 gezahlt. Sehr viel weniger als normale Lohnarbeiter. Die werden in den USA mit 35 Prozent besteuert. Romneys Einnahmen dagegen stammen fast nur aus Zinserträgen seiner Geldanlagen – und die werden in den USA eben nur mit 15 Prozent besteuert. Eine Bevorteilung von Reichen, die sogar Multimilliardär Warren Buffet öffentlich beklagt: Er finde es ungerecht, dass seine Sekretärin einen höheren Steuersatz zahlen müsse als er. Mitt Romney hält dagegen, er wolle sich nicht für seinen Erfolg entschuldigen müssen. Sein geschätztes Gesamtvermögen liegt übrigens bei 190 bis 250 Millionen Dollar – das macht ihn zum reichsten Amerikaner, der sich je um die Präsidentschaft beworben hat. Normalerweise haben US-Wähler kein Problem damit, aber in der aktuellen Krise wird Romney so zum Symbol der "one percent", die die Occupy Bewegung so lautstark anklagt.
