Das Internet der Dinge : Wenn die Zahnspange smart wird
Von Anna SchleinzerGerade Zähne dank schlauer Chips? Mit dem Smartphone die Tür aufsperren? Kein Problem: Das "Internet der Dinge", ist der nächste große Trend und könnte unseren Alltag künftig ordentlich auf den Kopf stellen.
Schiefe Zähne könnten bald passé sein: Die smarte Zahnspange verrät dem Kieferorthopäden, ob sie auch wirklich regelmäßig getragen wird. Dazu misst sie einfach die Umgebungstemperatur – im Mund sind das normalerweise 37 Grad. Kommt beim Auslesen des Chips raus, dass die Spange meistens nur von 20 Grad umgeben war, weiß der Arzt recht schnell, dass sie wohl eher in der Schublade gelegen hat.
Intelligente Waschmaschinen oder Heizungen legen nur dann los, wenn der Wind- oder Sonnenstrom gerade ausreichend in den Netzen vorhanden ist. Umweltverbände sind begeistert: "Grüner" Strom lässt sich dank des Internets der Dinge viel sinnvoller nutzen. Möglich sind solche Anwendungen durch integrierte Funketiketten wie etwa RFID-Chips. RFID steht für "radio-frequency identification". Waschmaschine, Zahnspange und Heizungen sind dadurch automatisch identifizier- und lokalisierbar und können zudem verschiedene Daten sammeln. Mit dieser Technik lässt sich eine Menge anstellen.
Von Nahrung bis zur ultimativen Fernbedienung
Zum Beispiel in Sachen Logistik: In Supermärkten vergammeln jeden Tag riesige Mengen an Lebensmitteln, wenn Mitarbeiter zu viel Nachschub beim Lieferanten geordert haben. Im Laden der Zukunft könnten sich die schlaue Milch und der Bauernschinken selbst nachbestellen, sobald im Regal nur noch ein paar Packungen liegen.
Macht viele Dinge schlau: RFID-Chip
Bei neuen Fahrzeugen ist das Internet der Dinge teilweise schon Standard: Wenn's kracht, setzt ein Sensor im Rückspiegel sofort eine Unfallmeldung ab und liefert gleich auch noch den Standort und weitere Infos, etwa die Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Aufpralls. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Nürnberg forscht gerade an intelligenten Schulranzen, die automatisch eine Notbremsung von Autos auslösen, sobald ein Kind auf die Straße rennt.
In Berlin tüftelt ein junger Informatiker an schlauen Schließsystemen: Per Smartphone kann Bernd Dörge daheim Bügeleisen, Herd und Licht aus- und die Heizung anschalten und den Freunden schon mal die Haustür aufsperren, falls er noch in der Rushhour festsitzt.
Klamotten mit integrierten RFID-Chips regeln den Warenfluss und liefern den Herstellern alle möglichen Informationen – beispielsweise über die Lebensdauer einer bestimmten Jacke oder Hose – und theoretisch auch eine ganze Menge über ihren Träger.
Und der Datenschutz?
Die Möglichkeiten durch die RFID-Chips werden von Datenschützern scharf kritisiert Sie nennen sie "Schnüffelchips. Auch Alexander Pflaum vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Nürnberg plädiert für Aufmerksamkeit in Sachen Datenschutz. Die EU hat deswegen 2011 das sog. "PIA-Framework" (Privacy Impact Assessment) verabschiedet. Die Industrie verpflichtet sich darin, den Datenschutz einzuhalten. Wie stark sie die Unternehmen aber selbst kontrollieren wollen – das ist nicht klar.
Schlaues Viagra
Mit RFID und Co die Welt retten – auch das ist möglich: Wenn etwa Bäume mit solchen Tags ausgestattet werden, lassen sich Waldbrände früh erkennen und bekämpfen. Auch als Verbrechensbekämpfer taugen die kleinen Chips: Weil seit Jahren immer mehr Fälschungen von Medikamenten den Markt überschwemmen, hat man begonnen die echten Viagra-Packungen mit einem Chip zu versehen, auf dem eine bestimmte registrierte Nummer gespeichert ist. An der Kasse in der Apotheke kann so ganz einfach getestet werden, ob das Produkt echt ist.
