Die Frage on3-radio // Teil 2 – Der Überlebenskampf : Warum soll ich noch für Musik bezahlen?
Von Michael BartlewskiDie Berliner Band Bodi Bill verrät, wie viel ihr letztes Album gekostet hat. Ihr Label lässt uns auf den Lohnzettel der Musiker schauen. Und eine Verlagsmanagerin nennt ein paar harte Zahlen. on3 rechnet nach: Kann man von Musik noch leben?
Der Überlebenskampf
CDs kaufen? Machen doch nur noch Muttis. Für einen Song bei iTunes zahlen? Nö, ich kenne doch das Youtube-Video. Als ich mich neulich vor einem Konzert der Berliner Band Bodi Bill in München umgehört habe, hatte die Mehrheit der Fans seit langem keine CD mehr gekauft. Klar, die Stichprobe ist nicht repräsentativ. Aber mindestens genauso interessant wie die Zahl derer, die nicht mehr für Musik bezahlen, waren die Gründe von denen, die es immer noch tun: Wir wollen die Künstler unterstützen. In einer Zeit, in der Musik immer und überall kostenlos zur Verfügung steht, ist das zum letzten Argument geworden, noch Geld für Musik auszugeben.
"Ich kaufe noch Musik, um die Band zu supporten" – das klingt verdächtig nach Fair-Trade und Mikrokredit. So nach dem Motto: Ich könnte meine Musik auch beim Kostenlos-Discounter namens Internet runterladen – aber ich kaufe lieber im Eine-Welt-Mediamarkt. Sind wir schon so weit gekommen? Und brauchen die Musiker diese Unterstützung überhaupt in einer Zeit, wo jeder – so lautet zumindest das Klischee - billig Musik am Laptop produzieren kann und fett Kohle mit Konzerten macht? Ich wollte mal die Fakten hinter solchen pauschalen Aussagen klären.
Station 1: Bodi Bill lassen die Hosen runter
CD, Vinyl, Download, Stream – Musik kann man in vielen Formen kaufen. Nur - wie viel bleibt davon beim Künstler hängen? Exklusiv für on3 hat die Berliner Elektro-Band Bodi Bill ihren Lohnzettel offen gelegt: Was haben sie für die Produktion ihres letzten Albums ausgegeben? Und vor allem: Wie viel verdienen sie mit dem Verkauf von Musik? Das ernüchternde Ergebnis: Digitale Musik-Verkäufe nehmen zwar zu, aber sie lohnen im Vergleich zur guten alten CD kaum.
Station 2: Musikproduzent Olaf Opal glaubt noch an Plattenverkäufe
Bodi Bill haben Glück – ein Mitglied ihrer Band verfügt über ein eigenes Tonstudio. So sparen sie viel Geld, denn eine Studioaufnahme ist auch im GarageBand-Zeitalter ziemlich teuer. Noch teurer wird’s, wenn der Produzent so berühmt und gut ist wie Olaf Opal. Egal ob bei Christina Stürmer, Juli, Liquido oder The Notwist – er hat viele Hits veredelt. In einem seiner seltenen Interviews zeigt sich der Bochumer überzeugt, dass Bands immer noch viel verkaufen können – wenn sie etwas anbieten, was andere nicht haben. Und das zählt für Scooter genauso wie für Radiohead.
Noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen die Münchner von Redweik, die gerade einen Major-Plattenvertrag unterschrieben haben. Was das für die Produktion bedeutet? Ich habe Band und Produzent bei den Aufnahmen besucht.
Station 3: Eine Musik-Verlegerin redet über Zahlen
In diesen Zeiten haben viele Bands nur noch einen Traum: Einen ihrer Songs in einem Werbespot oder Film unterbringen und damit bekannt werden. Natascha Augustin schließt beim Musikverlag Warner Chappell solche Deals ab. Sie verrät, wie viel Kohle in der Werbung wirklich zu machen ist und welche Bands ausgesorgt haben.
Station 4: Domino-Day im Musik-Business
Die Zahlen von Bodi Bill haben uns nachdenklich gemacht. Bands verdienen mit Downloads viel weniger als mit CDs. Und mit Streams verdienen sie nur ein Bruchteil. Eine Zeit lang schien es so, als wären Konzerte die große neue Einnahmequelle. Aber inzwischen gibt auch der Konzertmarkt nicht genug her – dort tummeln sich einfach zu viele Bands. Um dieses Problem mal anschaulich zu machen, haben wir im on3-Studio eine Bastelstunde gestartet: Mit Billard-Kugel, Fön und Wunderkerze haben wir eine Kettenreaktion gebaut. Was das mit Musik zu tun hat? Keine Ahnung.

