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Gamescheck // Sid Meier's Pirates! Fertig machen zum Entern

Von Franz Liebl

Schatzkarten, Säbelrasseln, schöne Gouverneurstöchter. Zocker-Endboss Fränzn ist ein riesen Piraten-Fan. Da entdeckt er die Neuauflage DES Piraten-Klassikers im App-Store. Das Abenteuer versetzt ihn gleich in seine Kindheit zurück.

Sid Meier's Pirates
Sid Meier's Pirates

Die Karibik ist sonnig. Das Wasser ist blau. Die Segel sind weiß. Perfektes Piratenflair.

Sid Meier's Pirates

Die Steuerung mit dem Finger funktioniert perfekt. Das Schiff per Fingerwisch längsseits gebracht. Dann einfach nur auf das gegnerische Schiff getippt: Bamm!

Sid Meier's Pirates

Nur noch den gegnerischen Kapitän im Schwertkampf-Minispiel besiegen und die Beute ist mein.

Sid Meier's Pirates

In den Städten kann man einiges machen. Den Gouverneur oder die Kneipe besuchen. Handel betreiben. Sein Schiff reparieren lassen und und und.

Sid Meier's Pirates

In den Hafenkneipen kriegt man immer nützliche Informationen für den nächsten Raubzug. Aber schnell: Ein anderer Pirat könnte auch von dem schweren Geldbeutel von Captain Kidd wissen.

Sid Meier's Pirates

Um Städte plündern zu können, muss man erst deren Verteidigung lahm legen.

Sid Meier's Pirates

Dann gibt's Vorräte, Waren und vor allem Gold.

Flashback. Ich sitze auf einem türkisgrünen Bürostuhl in meinem Kinderzimmer. Auf dem Schreibtisch vor mir liegt ein Amiga 500. Das Diskettenlaufwerk sägt sein Loading-Lied. Auf der Kommode daneben ein Monitor. Auf dem Schreibtisch ist kein Platz mehr für ihn - irgendwo muss ich ja schließlich auch meine Hausaufgaben machen. Ich halte einen Joystick, der aussieht wie der Steuerknüppel eines Flugzeugs und mit Saugnäpfen fest auf der Tischoberfläche klebt.

"Ich plündere nur noch schnell Martinique, Mam!"

Mit ihm steuere ich ein pixeliges Piratenschiff über ein himmelblaues Meer. Der Wind steht schlecht. Ich komme der spanischen Schatzflotte einfach nicht hinterher mit meinem schweren Kriegsschiff, das ich von den Franzosen erbeutet habe. Eine letzte Salve schicke ich noch hinterher, aber das ist nur noch reiner Frust. Die schweren Kanonenkugeln platschen viele Meter vor den entkommenden Schiffen in den Pazifik.

Meine Mama schreit: "Franze, Mittagessen!" - "Ich plündere nur noch schnell Martinique, Mam!", rufe ich zurück. Es sind Ferien und ich mache sie in der Karibik. Draußen vor dem Fenster wirft der Nachbarsjunge mit einem Plastikball auf unseren selbst gebastelten Basketballkorb. Ich ringe den Gouverneur von Martinique im Schwertkampf nieder. Die Beute ist mau. Ich gehe Mittagessen. Es gibt Gulasch.

Wo ist dieses große X auf diesem Fetzen einer Schatzkarte?

Die Stimmung an Bord wird schlechter. Wir sind einfach schon zu lange auf See und das Essen wird knapp. Die Jungs wollen rauben und brandschatzen, ich aber suche verbissen nach diesem Schatz und treibe die Crew an den Rand ihrer Belastbarkeit. Wo ist das nur, dieses große X auf diesem Fetzen einer Schatzkarte? Draußen vor dem Fenster scheppert ein Sommergewitter. Auch über meinem Schiff ziehen dunkle Wolken hinweg. Ich kann eine Meuterei aber im letzten Moment verhindern, indem ich im nächstgelegenen Hafen unsere Beute aufteile. Schnurstracks gehe ich in die Kaschemme der Stadt, um eine neue Crew anzuheuern. Ich will diesen Schatz finden und dann der gefürchtetste Pirat der ganzen Karibik werden. "Franze, Abendessen!", schreit meine Mama. Die Saugnäpfe meines Joysticks kleben nicht mehr richtig auf dem Tisch. Nach dem Essen werde ich erst einmal über die Tischplatte wischen müssen. Dann geht's wieder.

Das gleiche tolle Spiel wie vor 20 Jahren.

Draußen vor dem Fenster regnet es immer noch. Es ist bereits finster. Mir egal. Ich bin auf einem Ball, die schöne englische Gouverneurstochter hat es mir angetan. Und ich glaube, sie steht auf Schurken. Vielleicht werde ich sie eines Tages heiraten. Ich wische - mit dem Finger über mein Tablet und lenke so mein Schiff in den Nachthimmel hinaus. "Sid Meier's Pirates!" ist das gleiche tolle Spiel wie vor 20 Jahren. Nur die Grafik ist besser. Und dass heute meine Freundin schreit: "Fränzn komm, jetzt gehen wir dann noch weg."

Sid Meier's Pirates! (2K Games // für ipad // USK: ab 12)

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