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Film // In Darkness Dunkelheit und schwarze Herzen

Von Matthias Leitner

In ihrem Oscar-nominierten Film "In Darkness" erzählt Agnieszka Holland einmal mehr vom Holocaust. Doch so erschütternd, so berührend und verstörend ist der polnischen Regisseurin das bislang noch nicht gelungen.

Ausschnitt aus

Lvov, 1943. Die Stadt versinkt im Chaos, die Nationalsozialisten sind kurz davor einzumarschieren. Die verbliebenen jüdischen Einwohner versuchen zu flüchten oder Verstecke zu beziehen. Der Kanalarbeiter Leopold Socha (Robert Wieckiewcz) will daraus Kapital schlagen und Juden gegen Geld im Tunnelnetz verstecken. Der reiche Ignacy Chiger (Herpert Knaup) bittet ihn, sich gegen viel Geld um eine Gruppe von zehn Juden zu kümmern – darunter auch ein gesuchter Rebell (Benno Fürmann) und Chigers Frau (Maria Schrader).

Das Leben im Untergrund

Ausschnitt aus

Seit jeher beschäftigt sich Agnieszka Holland mit dem Holocaust. Die polnische Filmemacherin ist selbst Nachkommin von NS-Opfern, zeichnet sich in ihren Filmen aber durch einen gänzlich unsentimentalen und moralinfreien Blick aus. In der beengenden Kanalwelt von "In Darkness" nutzt sie dieses Mal die Klaustrophobie, die erdrückende räumliche Enge und den tödlichen Dreck der Kanalisation, um ihre Figuren vor knallharte Entscheidungen zu stellen. Denn das Leben im Untergrund gehorcht ganz eigenen Gesetzen, schon das hilflose Schreien eines Kindes ist eine Gefahr.

Eine alles verschluckende Dunkelheit

Agnieszka Holland treibt ihre Figuren in die Dunkelheit und lässt niemanden entkommen. Über jeder Entscheidung schwebt der Tod und eine gute Absicht führt schnell ins Verderben. "In Darkness" ist ein kalter, beängstigender Film. Ein Film in dem die nackten, weißen Leiber, der von Nazis durch den Wald gehetzten Frauen, die einzige Lichtquelle sind. Holland ist nach langer Zeit wieder ein erschütternder Film gelungen, ein wichtiger Film, der aus dem Kriegskitsch der letzten Jahre, aus den Betroffenheitsfilmen, dem Holocaust-Entertainment deutscher Filmproduktion bemerkenswert heraussticht.

Das müsst ihr sehen: Filme von Agnieszka Holland

1. "Bittere Ernte" (1985) – Die Flucht einer jüdischen Medizinstudentin in die Arme eines einsamen Mannes. Angieszka Holland erzählt eine Geschichte über das Missverständnis einer tragischen Liebesgeschichte mit einem glänzenden Armin Müller-Stahl in der Hauptrolle.

2. "Hitlerjunge Salomon" (1990) – Die Geschichte eines jüdischen Jungen der den Holocaust in der Rolle als volksdeutscher Nachwuchsoffizier überlebt. Der Film sorgte für einen Skandal, da sich die deutsche Oscarkommission weigerte, den Film für den Oscar zu nominieren.

3. "Der geheime Garten" (1993) – Der von Francis Ford Coppola produzierte Film war Hollands Sprungbrett nach Hollywood. Nach dem Roman von Frances Hodgson Burnett entwickelt sich ein hypnotisierender Film um Verlust, Krankheit, Tod und Wahnsinn.


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