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Gamescheck // Resident Evil: Revelations Traditionsreihe versinkt in Bedeutungslosigkeit

Von Franz Liebl

Wegen "Resident Evil" hat sich Zocker-Endboss Fränzn überhaupt erst eine Playstation gekauft. Das Spiel war 1996 bahnbrechend. 16 Jahre und fast 20 Spiele später kann die Reihe keine frischen Akzente mehr setzen. Leider.

Resident Evil Revelations
Resident Evil Revelations

Das verlassene, führerlose Kreuzfahrtschiff ist leider überhaupt nicht gruselig.

Resident Evil Revelations

Typische Kameraperspektive aus „Revelations“ von 2012. Der 3D Effekt macht es nicht aufregender.

Resident Evil Revelations

Typische Kameraperspektive aus „Resident Evil – Directors Cut“ von 1997. Hat trotz Standbild mehr Tiefe zu bieten. Und wäre der Wahnsinn in 3D.

Resident Evil Revelations

Die Monster: Abgemagerte, ergraute Dr. Zoidbergs als Gegner.

Resident Evil Revelations

Die Action an sich ist meistens einfach gestrickt: Und drauf halten.

Resident Evil Revelations

Am Besten spielt sich "Revelations" mit dem Zusatzzubehör "Circle Pad Pro". Da wird der 3DS einfach eingesetzt und schon hat man einen Analog-Stick mehr. Der ist Gold wert. Allerdings wird der 3DS dann zu einem klobigen Gerät.

Resident Evil Revelations

Der Genesis-Scanner wäre ein spannendes Tool gewesen. Er ist eine Art Nachtsichtgerät durch das unsichtbare Monster sichtbar werden...

Resident Evil Revelations

...die man aber auch mit bloßem Auge erkennen kann. Hm. Erst relativ am Ende ist der Scanner ein einziges mal unerlässlich für das Weiterkommen im Game.

Was habe ich mich gefreut auf "Revelations". Alte Stärken wurden mir vorab versprochen. Und als Fan der ersten Stunde habe ich da vor allem an eins gedacht: Angst haben. Was mich beim ersten "Resident Evil" so gefesselt hat, war dieses Gefühl, abgeschottet zu sein von der Außenwelt, ja eingesperrt zu sein und keine Fluchtmöglichkeit zu haben. Man war dem Entsetzen ausgeliefert und völlig auf sich alleine gestellt. Alleine gegen den Horror. Niemand zum Festhalten. Dann aber überwindet man die eigene Angst und schafft es irgendwie aus dem Albtraum heraus. All diese Emotionen haben sich anno 1996 alleine schon über das Set transportiert: Ein Verlassenes, abgelegenes Herrenhaus im Wald. Und auch 2012 wäre in "Revelations" eine passende Location vorhanden: Man spielt auf einem verlassenen Kreuzfahrtschiff, das irgendwo im Meer herumtreibt. Das war’s dann aber auch schon mit den positiven Vergleichen.

"Revelations" hat Monster aus der Tiefsee, ist aber so flach wie eine Flunder...

...,denn in "Revelations" ist man so gut wie nie alleine unterwegs. Ständig läuft ein Partner mit. Als Schulter zum Anlehnen quasi. Wie soll sich da bei mir das geliebte Angstgefühl einstellen? Die Monster erzeugen das übrigens auch nicht - die sehen aus wie graue Dr. Zoidbergs aus der Zeichentrickserie "Futurama". Die Krebsmonster-Crew aus "Fluch der Karibik" ist gruseliger. Dazu kommt noch die konfuse Story. Zugegeben, die Geschichten der "Resident Evil"-Reihe waren noch nie besonders anspruchsvoll. Es sind Genre-Games mit B-Movie Charme. Aber nehmen wir zum Beispiel die beiden besten Spiele der Serie, "Resident Evil" und "Resident Evil 4". In Teil eins erzeugen Experimente eines Pharmakonzerns einen Virus, der Menschen zu Zombies mutieren lässt. In Teil vier will eine Sekte die Menschheit mittels eingepflanzten Parasiten unterwerfen. Das sind einfache Geschichten, die aber jederzeit nachvollziehbar sind. "Revelations" wirft mich dagegen komplett raus. Es ist ein wirres Durcheinander von Spezialeinheiten, deren Vorgesetzten und noch ein paar anderen Söldnern, die sich irgendwie alle gegenseitig ausspielen, um an einen neuen Supervirus zu kommen. Oder so ähnlich. Dazwischen tummeln sich die immer gleichen Resi-Stammcharaktere. Die waren vor 16 Jahren mal unfreiwillig komisch und deswegen irgendwie sympathisch, jetzt sind sie nur noch langweilige Flachköpfe.

"Revelations" als Aufsatz in der Grundschule – ich würde mit dickem Rotstift "Vorrücken gefährdet" darunter schreiben.

Das neue "Resident Evil" ist inhaltlich flach. Und das gilt auch für die Optik. Das Spiel ist für den 3DS, aber es gibt keinen einzigen Moment, in dem der 3D Effekt dramaturgisch eingesetzt wird. Teil eins von 1996 hatte da mehr coole Optik zu bieten. Und auch beim Gameplay ist es dasselbe. Ein Beispiel: Ich muss einen Schalter umlegen. Der ist aber auf der anderen Seite des Schiffes. Dann bin ich beim Schalter. Oh, blöd. Der hat keinen Strom. Dafür muss ich jetzt wieder ewig zurück auf die andere Seite. Damit ich nicht checke, dass ich jetzt schon wieder die gleiche Strecke ablaufe, tauchen ein paar Monster auf, wo vorher keine waren. Das ist stumpfsinniges Leveldesign ohne Überraschungen. Und sogar die Action ist abwechslungsarm: Ich halte einfach drauf. Munition gibt immer es genug. Ich bin nie unter Druck. Nur bei ganz seltenen, größeren Gegnern und Endbossen muss ich zielgenau bestimmte Körperteile treffen. Das sind die wenigen spannenden Momente des Games. Ansonsten ist das neue "Resident Evil" nichts Besonders. Als Fan der Serie will ich die Hoffnung aber nicht ganz aufgeben: Es ist bereits Teil sechs angekündigt. Eigentlich kann es nur besser werden.

(Nintendo // für 3DS // USK: ab 16)

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