Im Jahr 2001 wurde der Boys-Club aufgemischt. Das Label Saddle Creek in Omaha, Nebraska, auf dem auch Bright Eyes, The Faint und The Good Life zu Hause sind, bekam Zulauf von zwei Damen aus den Südstaaten der USA, eine davon Orenda Fink, die andere Maria Taylor. Die beiden waren Azure Ray, die erste Mädchen-Band auf Saddle Creek. Neben den krachigen Emotionen der Jungs standen Azure Ray für zweistimmigen, weichen Pop und sanfte Melancholie.
"Sie entdecken und lieben dich"
Angefangen hat vielleicht alles in einer Hollywood-Schaukel, auf einer Veranda in Athens, Georgia, in den Südstaaten der USA. In der kleinen Universitätsstadt hat Maria Taylor in Orenda Fink eine musikalische Verbündete gefunden. Ihre Musikkarriere begann aber schon lange vor Azure Ray.
Maria Taylor: "Orenda und ich hatten davor schon eine Band, Little Red Rocket. Wir waren bei Geffen unter Vertrag. Aber denen ging es nur ums Geld. Die Musik war ihnen total egal, das Image war wichtig. Sie wollten keine Originalität, keine Individualität, sie wollten nicht dich. Nach dieser Erfahrung war es so toll, bei einem Indie-Label wie Saddle Creek Records zu sein. Sie entdecken und lieben dich. Und du hast absolut freie Hand. Das war so wunderbar."
Conor Oberst von Bright Eyes holte Maria Taylor zum Saddle Creek-Label.
Schlüsselfigur Conor Oberst
Das Label Saddle Creek als der sichere Hafen und der Mann ihrer Träume, der sie damals von Athens nach Omaha, Nebraska geholt hat: Conor Oberst. Der war befreundet mit Andy LeMaster, dem Kopf und Sänger der Band Now It's Overhead, in der auch Maria Taylor und Orenda Fink spielten. Bis heute steht LeMaster Maria Taylor als Freund, Musiker und Produzent zur Seite. Er war es auch, der für Azure Ray den Begriff "Southern Gothic" geprägt hat.
Maria Taylor: "Ich glaube Orendas Songs klingen viel mehr nach 'Southern Gothic' als meine. Ich bin zwar mit dem Süden noch verbunden, aber sie hat sich von der Gegend viel mehr inspirieren lassen. Ich liebe Pop-Songs, so war das schon immer. Ich mag natürlich auch andere Art von Musik, aber ich höre gerne Pop, und das ist auch die Musik, die ich machen möchte."
Die Emanzipation der "Lady Luck"
Bei allen drei Azure-Ray-Platten personifiziert Orenda Fink die dunkle und Maria Taylor die hellere Seite der Band. Auch solo verfolgen die beiden diesen Weg weiter. Während Orenda Fink für "Invisible Ones" mit einer karibischen Gesangstruppe experimentell-düstere Songs veröffentlicht, bleibt Maria Taylor ihren Popwurzeln treu.
Taylors erste Solo-Platte "11:11" erscheint 2005. Neben Popsongs sind auch weiterhin reduzierte Gitarrenstücke dabei. Südstaaten-Romantik trifft Americana-Folk. 2007 folgt das Album "Lynn Teeter Flower". Inzwischen hat sie sich von Conor Oberst getrennt, Saddle Creek verlassen und ist mit ihrem dritten Album "Lady Luck" endgültig im Pop angekommen.


