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01.04.2011 Permalink Weiterempfehlen

Festival ABC // M-P Der Weg vom Moshpit zum Parkplatz-Rave

Weiter geht's durch den Dschungel der Festivalbegrifflichkeiten. Wir kämpfen uns durch vom M (wie Moshpit) bis hin zum P (wie Parkplatz Rave).

Festival ABC

M wie Moshpit

Moshpits sind vor allem beliebt bei Musikfreunden der härteren Gangart wie Heavymetal, Thrashmetal oder Deathmetal. Charakteristischerweise bezeichnet der Moshpit einen vor der Bühne entstehenden Kreis, in dem die enthusiastisch extatisierte Menge sich zum Headbanging, Bodyslaming, Slamdancing, Stagediving oder Crowdsurfing vereinigt. Moshpits entwickeln sich in der Regel spontan und unterscheiden sich je nach Musik und Zuschauern stark in Größe, Intensität und Geschwindigkeit. Der Höhepunkt jedes Moshpits ist der sogenannte "Dropper", der Punkt des musikalischen Ausbruchs. Ein Zeichen dafür kann eine kurze Pause im Set der Band sein, in der sich der Kreis leert, bevor die Menge wieder in ihn eintritt.

N wie Neon

Einst waren Festivals ein beschaulicher Ort der Stillosigkeit, eine Oase des Rumgammelns und Drecksuhlens, frei jeglichen Style-Diktats, frei jeglicher Modeparadigmen. Bis sie kamen: die Nu Rave Kids. Und auf einmal war alles Neon. Neon-T-Shirts, Neon-Leggins, Neon-Stirnbänder, Neon-Sonnenbrillen, Neon-Lidschatten. Während sich der normale Festivalbesucher morgens gerade verschwitzt aus seinem Daunenschlafsack pulte und den Schlamm vom Vorabend von den Schienbeinen abkratzte, bevölkerten die Neon-Nu-Rave-Kiddies schon die öffentlichen Sanitäranlagen. Mit Glätteisen, MakeUp-Puder und einem – versteht sich – neonbunten Accessoire-Reigen. Auf einmal war es also vorbei mit der friedlich-stinkenden Festival-Gammelei. Die Warteschlange am Dönerstand, der Weg vom Zeltplatz zur Mainstage – alles wurde zum Catwalk dieser neuen Generation an Festivalbewohnern.

O wie Ordnungshüter

Eigentlich wollen sie ja nur unser Bestes. Sorgen auf dem Festivalgelände für Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Und damit leider für das, was wir auf Festivals ausnahmsweise so gar nicht wollen. Es ist ein ungeschriebenes Festivalgesetz: Ordnungshüter sind die natürlichen Feinde des Festivalbewohners. Dieser setzt seine gesamte Energie, die ihm nach wildem Stagediving und Alkohol-Eskapaden noch übrig geblieben ist, daran, die Hilfs-Sheriffs in Orange auszutricksen. Los geht es schon beim Betreten des Geländes. Wie schmuggle ich unauffällig Walkman, Wurstbrot und Wodka-sonstwas-Mischungen in den Bühnenbereich? Aber die Männlein und Weiblein mit den bunten Leuchtwesten sind auch diejenigen, die uns im Vollsuff unter der verdreckten Bierbank hervorkratzen und uns dann eigenhändig ins heimische Zeltlager tragen, während sich alle anderen schon schön säuberlich verdrückt haben.

P wie Parkplatz-Rave

Jede Demo hat ihre Gegendemo. Jede Party ihre Gegenparty. Und so hat auch fast jedes anständige Festival seinen Parkplatz-Rave. Das wichtigste an einem Parkplatz-Rave ist die organisierte Unorganisiertheit. Alles was man dazu braucht, sind ein paar durchgeknallte Musikfreaks, einen Laptop, ein Mic, Plattendecks, eine kleine Bühne – alternativ auch ein Autodach, den richtigen Alkoholpegel und vor allem eins: Verstärkerboxen, bei denen der Bass so richtig fett wumsen kann. Parkplatz-Raver sind die Anarcho-Punks im ansonsten so kühl durchkalkulierten Festival-Biz: Meist gelangt man auch irgendwie ohne Bändchen in die Party-Area zwischen Campingplatz und Festivalgelände. Bands und Publikum teilen sich dort sowieso alles: die Musik, den Schweiß, die Drogen, die Extase und den Grad der totalen Unzurechnungsfähigkeit. Wird nicht spätestens nach dem dritten Song mit Bierfass und Schlauchboot die Bühne gestürmt, läuft etwas falsch beim Parkplatz-Rave. Und können sich die Beteiligten später noch dran erinnern, dann erst recht.

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