Schöner Slogan: "Young Americans Challenging High Technology". Der Musiker Jona Bechtold aus Portland, Oregon nennt sein Bandprojekt so. Kurz: "Yacht". Dieser Jona Bechtold ist ein rechter Springinsfeld, denkt sich dauernd neue Konzepte aus und kommt vom Hundertsten ins Tausendste, wenn es darum geht zu erklären, was er so macht. Da kommt man schnell ins Schwitzen, wenn man dem Kind einen Namen geben soll: Art-Pop vielleicht. Elektro-Pop auf jeden Fall. Avantgarde-Pop. Oder wie wäre es damit: Brain-Pop.
Wild und desinteressiert - sorglos und liebevoll

Bild: yacht
...das dritte Album von "Yacht".
Nach drei Alben ist Yacht mit dem aktuellen Werk "See Mystery Lights" auf einem neuen Level angekommen. Zum einen wäre da mal ein Neuzugang zu vermelden: Die Künstlerin und Autorin Claire Evans macht Yacht ganz offiziell zum Duo und steuert zum wilden Treiben herrlich desinteressierte Sprech-Sing-Passagen bei. Und dann ist da zum anderen die schöne Sorglosigkeit, mit der psychedelisch-avantgardistische Experimente zusammengeschmissen werden mit liebevoller Catchyness. Es fiept und knarzt aus allen Richtungen, die Sounds reiben sich widerborstig aneinander – und dann kommt doch jedesmal ein handlicher Tanztrack dabei heraus, der im Alleingang den Sommer retten könnte.
Ein Baukasten der Leichtigkeit
Digital und analog verschwimmen auf "See Mystery Lights" in einem Meer aus kruden Loops und zappeligen Instrumentaleinfällen. Wenn man will, kann man all die Künstler heraushören, mit denen Yacht schon gearbeitet haben: Stereolab, Ratatat, Architecture In Helsinki. Das Stück "Summer Song" ist eine Liebeserklärung an LCD Soundsystem - die die Kollegen auch gleich dankbar auf ihrem Label DFA aufgenommen haben.
Yacht sind ganz vernarrt in effiziente Strukturen und wohlüberlegte Konzepte – am liebsten würden sie ihre Musik per Power-Point-Präsentation darstellen. Zum großartigen "Psychic City" gibt es hochoffizielle Quellenangaben: Der Text ist einem obskuren Künstler namens Rich Jensen zu verdanken, die Synthies sind Althea & Donna abgeschaut – und der ganze Rest wird auf R.Kelly, Brian Eno und Outkast zurückgeführt. Wie aus so intellektuellen Baukastenstrategien eine solche Leichtigkeit entstehen kann, muss wohl Geheimnis von Yacht bleiben.
Was auf "See Mystery Lights" passiert, bringen Yacht selbst am besten auf den Punkt: Subversive, kaputte Zombie-Pop-Banger wollen sie machen, und einen guten Ratschlag geben sie uns auch noch mit auf den Weg: Kämpft nicht gegen die Dunkelheit, tragt Licht in die Dunkelheit und die Dunkelheit wird von selbst verschwinden.



