"Ich bin ein absoluter Hardcore-Schlafzimmer-Produzent", sagt Dorian Concept aus Wien über sich selbst. Noch vor dem Frühstück schlurft er schlaftrunken vom Bett zum Computer und fängt an, verspulte Traumbeats zu schrauben. Sein wichtigstes Werkzeug dabei: Der MicroKorg-Synthesizer. An dem dreht, rollt und drückt er herum, dass es eine Augenweide ist. Eines Morgens beschließt Dorian, sich bei dieser Fingerakrobatik zu filmen. Wenig später kennen eine viertel Million Youtube-Nutzer sein Schlafzimmer, seinen Synthie und vor allem den absolut abgedrehten Elektro-HipHop-Sound, den er dem Ding entlockt.
Jazz mit dorischer Tonleiter

Bild: affine records
Inzwischen ist Dorian Concept Teil einer neuen Generation junger Produzenten, die mit nie zuvor gehörten Sounds und Drumpatterns die Kritiker und Elektro-Avantgarde-Liebhaber begeistern. Seine Songs beginnen chaotisch und schief, bauen sich aber auf magische Weise so auf, dass man spätestens in der Mitte des Songs kopfnickend vor der Box sitzt. Seine ist Musik zum Zuhören da. Im einen Moment ist sie sperrig und anstrengend. Aber schon im nächsten federleicht und großzügig groovend.
Ganz der Jazzer
Die Grundlage für diesen Wahnsinn ist der Jazz. Als Kind beginnt Dorian Concept Klavier zu spielen, später beschäftigt er sich mit Jazz-Theorie. Daher stammt auch sein Künstlername, er bezieht sich auf die dorische Tonleiter, in der viele moderne Jazzstandards komponiert sind. Mit seinem analogen Synthesizer setzt er diese Einflüsse in Bezug zu hinkenden HipHop-Beats und sphärischen Flächen.
Nach einigen kleineren Veröffentlichungen lässt er im Frühjahr 2009 sein Debütalbum "When Planets Explode" auf die Welt los. Dorian Concept ist international unterwegs, er hat bereits Clubtourneen in China und Australien hinter sich, und in den einschlägigen europäischen Locations ist er sowieso Stammgast. Wenn er performt, kommen die Beats vom Laptop, dazu strapaziert er seinen geliebten MicroKorg. Live ist er ganz Jazzer: Seine Gigs bestehen zu einem großen Teil aus Improvisation. Man kann echt froh sein, dass der Schlafzimmernerd von heute alles auf Youtube stellt. Sonst wäre uns dieser geniale Sound möglicherweise vorbehalten geblieben.
