So, jetzt passt mal auf, Ihr Plattenfirmentypinnen und-typen:
Die mit dem großen Geld dürfen sich angesprochen fühlen. Die, die immer noch irgendwelche 18-jährigen Krawattenklone unter Vertrag nehmen und horrendes Geld in Bands stecken, die Sachen singen wie: "I didn’t mean to hurt you, baby. All I wanna do is walk away. Cause I don’t wanna lie to you ...". Wie könnt Ihr nur?! Gerade jetzt, wo Eure Jobs so unsicher sind wie noch nie? Da ist es eigentlich unfassbar, dass Euren sogenannten A&R-Popexperten eine Musikerin wie Karo durch die Lappen geht:
Ich wette, bei keinem Eurer sogenannten Acts ...
... haben die ersten vier Takte eines Albums eine gesamte Redaktion oder "Department" - oder wie so was bei Euch heißt – elektrisiert, so wie uns Karo elektrisiert hat, als wir sie vor einigen Monaten zum ersten Mal singen gehört haben. Als wir nicht glauben konnten, dass mitten in Bayern, damals noch Schweinfurt, eine junge Künstlerin in ihrer Mietshaus-Studentenwohnung solche Songs aufnimmt und sich damit anfangs nicht mal auf die Bühne getraut hat.
Karo muss man nicht in irgendein Pop-Bootcamp stecken, ...
Sing Out, Heart!
... um ihr Leidenschaft einzubrüllen. Sie hat sie einfach und sie kann auch gar nicht anders. Oder wie würdet Ihr Euch sonst erklären, dass sie ihren schweren Verstärker und ihre Gitarre immer wieder zum Zug schleppt, um zu ihren Auftritten zu fahren - allein, wohlgemerkt. So wie Karo alles allein macht. Schreiben, singen, spielen und produzieren. Ein paar Hunderttausend für irgendeinen New Yorker "Hitproduzenten" könntet Ihr Euch also auch noch sparen. Ein ebensolcher stand übrigens bei einem Karo-Auftritt mit geschlossenen Augen da und hat sichtlich mehr als genossen, was er da gehört hat. So geschehen erst vor ein paar Wochen beim on3radio festival im Münchner Funkhaus. Von wem ich spreche? David Sitek von TV On The Radio, unter anderem Produzent von Scarlett Johanssons Debüt-Album…
Ich sage so etwas wirklich nicht oft, ...
... aber Karos Album "Sing Out, Heart" raubt mir den Atem. Unfassbar, welche Atmosphäre sie in ihren Songs erzeugt, die ganz spärlich instrumentiert sind, um den nötigen Raum zu lassen für Karos wohl überzeugendstes Merkmal: ihre Wahnsinns-Stimme. Gottseidank ist Karos Kreativität nicht abhängig vom Geld der großen Plattenfirmen. Karo tut, weil sie tut und nicht anders kann.
Gut für uns, dass sie sich mit ihrer Musik endlich raustraut: weil es nämlich eine Schande wäre, wenn sie uns nicht alle an ihrem Talent teilhaben lassen würde.
Komisch, liebe Plattenfirmentypinnen und-typen, dass Ihr sowas so selten merkt. Aber das sagte ich ja schon...
