Eagle Seagull packen dich mit ihren melancholischen Sehnsuchtsfetzen immer dann, wenn du es am wenigsten erwartest. Und schlittern bei allem Pathos immer noch knapp an der Kitsch-Klippe vorbei. "Your beauty is a knife I turn on my throat" beispielsweise ist ein wunderbar dramatisches Stück. Aus einer Piano-Melodie wächst ein gewaltiges Abenteuer an Song von epischer Bandweite. Ein Destillat aus Wut, Verzweiflung und Hoffnung.
Als die Band im Oktober 2004 ihre ersten Live-Konzerte spielt, steht im Publikum Brian Vaughan, der nach seiner Karriere bei Saddle Creek Records und Sub Pop sein eigenes Label gegründet hat und Eagle Seagull gleich unter Vertrag nimmt. 2006 erscheit ihr Debütalbum "Eagle Seagull" auf Paper Garden Records. Mittlerweile haben sie sich zu PIAS hochgearbeitet – ihr Zweitling "The Year Of The How-To-Book" ist im März 2010 erschienen
"We just came to dance"
Tatsächlich klingt das Album wie eine Anleitung zum Pop: "The How-To-Book" wirft mit großen Gefühlen und catchy Melodien nur um sich, während auch die Schuhsolen beim daraus entstehenden Tanzdrang auf ihre Kosten kommen. Ein paar Handclaps, hier und da ein hippes elektronisches Fiepsen oder eine Walzerpassage und vorneweg: Immer eine klare Ausage – "We just came to dance".
Eagle Seagull liefern bei aller hörbaren Verneigung vor den großen amerikanischen Indie-Bands vergangener Jahre ganz unverhohlen ihre eigene popkulturelle Definition des Pop-Wahnsinns. In den Blogs ist die Band mit ihrem neuen Album irgendwo zwischen Speed und Ritalin angesiedelt. Während die Blogger also Purzelbäume schlagen, könnt ihr euch auf ein Pop-Erlebnis vom Feinsten freuen. Auch live ein wahres Abenteuer.


