Chris Garneau ist Tierfreund, Lampenschirmsammler und ehemaliger Musicalsänger. Auf den ersten Blick hat das alles nicht viel mit seinem Album "El Radio" zu tun. Aber auf den zweiten, dritten, vierten Blick passt das alles sehr, sehr gut zu dem jungen Songwriter aus Brooklyn: Chris Garneau geht unnachahmlich liebevoll mit allem um, was Leben in sich trägt. Er hütet die Schätze, die er in seiner kleinen, großen Welt findet, wie ein herzensguter Antiquar. Und er erzählt davon in kleinen, großen Songs, die sich den theatralischen Gesten von Musiktheater und Cabaret verbunden fühlen.
Um seine zweite Langspielplatte aufzunehmen, hat Chris Garneau sich in die Berg- und Seenlandschaft von New Hampshire zurückgezogen. Und die Idylle hat ihre Spuren auf "El Radio" hinterlassen: Wir hören schmeichelnden Kammerpop mit sanft hingetupften Streicherarrangements, einen sensiblen Troubadour am Klavier, dem die Hektik der Welt da draußen herzlich gestohlen bleiben kann.
Voll melancholischer Spielmannsromantik
"El Radio" von Chris Garneau
"El Radio" teilt sich in vier Abschnitte, die den vier Jahreszeiten gewidmet sind. Es ist aber vor allem eine Herbst- und Winterplatte voll melancholischer Spielmannsromantik und fast schon weihnachtlicher Wärme. Oft elegisch und sentimental, aber auch verspielt und voll leisem Humor. Chris Garneau wird gern mit Sufjan Stevens, Teitur und Rufus Wainwright vergleichen. Mit "El Radio" hat er sich seinen Platz in dieser Songwriter-Riege redlich verdient. Und mit dem heiteren "No More Pirates" könnte er glatt die Nachfolge von Leslie Feist antreten.
Wenn man zur Zeit einem Songschreiber bedenkenlos sein intimstes Hab und Gut anvertrauen würde, dann Chris Garneau. Bei dem scheint unser aller Freud und Leid in guten Händen zu sein.


