Das Beste aus 2009 // Poptrends : Teil 2: Die starken Frauen im Pop
Von Laury ReichartEs war das Jahr von Beth Ditto, von Ebony Bones, von La Roux und natürlich von Lady Gaga. Die Frauen haben 2009 den Pop bestimmt - mit Style und straighter Attitüde.
Mit "being your own hero" bringt es Ebony Bones auf den Punkt. "Sein eigener Held sein", das scheint so etwas wie die geheime Maxime, die Losung, zu sein. Eine ganze Reihe von Frauen haben 2009 mit crazy-kapriziösen Styles und straighter Attitüde Charts wie Kritikerlisten, Mode- und Musikmagazine dominiert. Frauen, die nicht lahme Lieder auf der Gitarre klampfen und auf süßes Mädchen machen. Frauen, die gewaltig in den Arsch treten, die laut ihre Meinung sagen und Weltraumkostüme oder 30 Kilo Übergewicht auf den Rippen tragen. Echte Rolemodels also. Endlich.
"I decided a long time ago that if I ever had a chance to perform that I really wanted to entertain and make my own costumes. It's quite like it's anti-fashion really, about being DIY and the punk ethic behind that and really embracing being your own hero." (Ebony Bones)
Da wäre Ebony Bones. Die ehemalige Shakespeare- und Daily-Soap-Schauspielerin wirbelt heute wie ein Berserker über die Bühne und näht die Quietschbunt-Klamotten für die ganze Kompanie.
Lady Gaga

Bild: picture-alliance/ dpa
Lady Gaga - viel mehr Provokation geht nicht
An ihr ist dieses Jahr niemand vorbeigekommen - in den Charts, den Clubs und vermutlich auch in den Kindergärten: Lady Gaga, die 23-jährige New Yorker Ikone, irgendwo zwischen Blondie, Space-Barbie, Donatella Versace und Madonna, die eine Aura umweht als wäre sie einem feuchten Traum von Andy Warhol entsprungen. In kantigen Weltraumoutfits oder halbnackt stakste Lady Gaga dieses Jahr über die roten Teppiche, platzierte und provozierte hier und da ein Skandälchen und räumte mit ihrem perfekt arrrangierten Plastikpop ab, was zu holen war.
Beth Ditto

Bild: Lee Broomfield
Beth Ditto - stimmgewaltige Frontfrau der Band Gossip
Und dann war da natürlich noch: Beth Ditto. Das vermutlich erste It-Girl, das die 100 Kilo überschritten hat und damit zumindest äußerlich der radikalste Gegenentwurf zur üblichen Popstar-Folie. Beth Ditto ist fett, sie ist lesbisch, sie ist laut, sie entstammt einer White-Trash-Familie und ist überhaupt komplett over the top. Trotzdem oder eben deshalb war sie dieses Jahr der Freak-Darling bei den Fashionshows und wurde von Karl Lagerfeld geknutscht. Und gerade wie sie damit umgegangen ist, macht sie tatsächlich zum Liebling der Saison.
"I've always been the freak of the season.. who cares? I was the only one who wasn't skinny at those shows. It's not gonna be any different next year. I'm not scared at all. You can't expect the way that people make their art and you can't expect to change the industry by hoping maybe next year everyone will look like me. Maybe now some girl won't hate herself and know that she can design things for people and she can become a designer herself."
Die Zeit der Popsternchen ist vorbei

Bild: dpa picture-alliance
La Roux - die neue Madonna?
Und da wäre Elly Jackson von La Roux, die junge Britin, die es mit erdbeerroter Tolle und so kühlem wie cleveren Elektropop aus dem Stand auf Platz 1 der britischen Charts schaffte.
Beth Ditto, Lady Gaga, La Roux und Ebony Bones. 2009 war das Jahr der Frauen, der Styles, der Attitüden. Seit 2009 ist endgültig klar: Die Zeit der Popsternchen ist vorbei. Macht es selber, Mädels. Macht es bunt, macht es laut. Habt keine Angst. Macht es einfach so wie Beth und Lady Gaga, wie Elly und Ebony.
