Das Beste aus 2009 // Poptrends : Teil 3: Michael Jackson und die Folgen
Von Laury ReichartEs war ein Schock: Am 25. Juni ist mit Michael Jackson der größte Popstar unserer Zeit gestorben. Wie groß er wirklich war, das haben wir erst nach seinem Tod erfahren.
Michael Jackson. Sein Tod am 25. Juni hat das Jahr 2009 geprägt. Er hat die Menschen und die Medien beschäftigt, er hat überrascht und irgendwie auch überfordert. Michael Jackson – sterblich? Schwer zu akzeptieren. Als Unmensch war er greifbar – als Übermensch auch. Der Tod aber war für diesen Mann zu banal. Und doch hat das allzu gewöhnliche Ende die Verklärung nur noch schlimmer gemacht, wie Barack Obama so treffend analysierte:
"I think we saw when Elvis died… 'als Elvis starb, oder Frank Sinatra, oder auch John Lennon, haben wir etwas ähnliches schon einmal erlebt – im Tod werden sie noch Größer' – in death, they become even larger."
Barack Obama
Aus large war längst X-Large geworden, und rückblickend betrachtet erschien auch das nicht mehr groß genug. Aus dem König musste man mindestens einen Kaiser machen - selbst Barry Gordon, Gründer der legendären Plattenfirma Motown, griff zu Superlativen:
"In fact the more I think and talk about Michael Jackson, i feel the King of Pop is not big enough for him. I think he is simply the greatest entertainer that ever lived."
Barry Gordon, Motown-Gründer

Bild: SonyBMG
Michael Jackson
Der größte Entertainer, der je gelebt hat? Völlig abwegig ist die Behauptung nicht. Fast eine Million Tickets waren kurz vor seinem Tod bereits vorbestellt – die Comeback-Shows in London hätten alle Rekorde gebrochen. "Thriller" hat sich mehr als 100 Millionen mal verkauft. Mit großem Abstand ist es das populärste Album überhaupt – daran gibt es nichts zu rütteln. Ob die Quantität in diesem Fall aber auch Qualität bedeutet – darüber wurde nach Michael Jacksons Tod wieder eifrig diskutiert. War er Popstar, nur Popstar? Oder steckte hinter der Maske doch ein Genie? Cajus von Blumentopf hat im Interview mit on3 dieses Jahr für sich die Antwort gefunden: "Thriller von Michael Jackson ist ein musikalischer Meilenstein der Extraklasse, also das ist wirklich eigentlich DAS Album, deshalb auch King of Pop – zu Recht."
Fans in Helsinki auf einem Michael Jackson-Konzert (24 August, 1997)
In den Clubs jedenfalls war dieses Jahr so viel Michael Jackson zu hören wie nie zuvor. Und als in der Nacht nach seinem Tod im Münchner Atomic Cafe der "Earth Song" gespielt wurde, brach ein Mädchen weinend auf der Tanzfläche zusammen. Für manch einen war das zu viel – der Grantler von on3 jedenfalls hatte die Nase bald voll: "Trauerprozessionen in Michael Jackson Outfits durchs Münchner Umland, und in den Clubs schreien alle kollektiv MICHAEL wenn a Jacko-Track kummt."
Ein bisschen traurig aber war es irgendwie doch. 2009 war ein Jahr, in dem man Abschied nehmen musste – im Juni von Michael Jackson und im September auch noch von Patrick Swayze. Für viele ging damit ein Stück Kindheit verloren. Und durfte man da nicht ein bisschen sentimental werden?
