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17.12.2009 Permalink Weiterempfehlen

Das Beste aus 2009 // Poptrends Teil 4: Das 90er-Revival

Von Laury Reichart

Holzfällerhemden und Doc Martens, Eurodance und Shoegaze: Dieses Jahr stand der Pop im Zeichen der Neunziger. Coole Sache. Nur auf die Rückkehr von Limp Bizkit und Papa Roach hätten wir gern verzichtet.

Pop-Jahr 2009 Rückkehr der 90ies

Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass sich der modebewusste Indie-Hipster mal in ein rustikales Karo-Flanellhemd zwängt, ohne sich dabei wie ein Holzfäller in der Disco fühlen zu müssen? Kurt Cobain lässt wiedermal ordentlich grüßen, und das im fünfzehnten Jahr nach seinem Tod. Neben den Klamotten tauchte 2009 aber auch noch ein anderes Phänomen der frühen Neunziger wieder auf: der Shoegaze.

2009 ein großes Noise-Jahr

Da waren zum Beispiel die Schotten von Glasvegas, die mit ihrem an weißes Rauschen erinnernden Wall of Sound Bands wie My Bloody Valentine, Ride und die frühen The Verve wieder aufleben ließen. Aber auch die New Yorker Noise-Popper von The Pains Of Being Pure At Heart kamen dieses Jahr mit einem großartigen Album um die Ecke und zeigten uns, wie sehr sie die Musik der frühen Neunziger beeinflusst, von The Jesus And Mary Chain bis hin zu, klar, Nirvana. "Wir hatten eine ganz typische amerikanische Kindheit und haben viele amerikanische Bands gehört. Nirvana war die erste Band, die mich für Indiemusik begeistert hat."

Nicht schlecht gestaunt hat auch so manch einer über das Revival des sogenannten Eurodance, der etwas fragwürdigen Dancefloor-Music der Neunziger Jahre, und dessen Einfluss auf so manche neue Band. Während die Musik von Captain Jack und den Vengaboys als Trash-Faktor auf keiner Bad-Taste-Party fehlen durfte, outete sich zum Beispiel Elly Jackson von den Londoner Synthie-Pop-Senkrechtstartern La Roux in einem Interview tatsächlich als Fan des Outhere Brothers-Gassenhauers "Boom Boom Boom". Klar, der Zweck heiligt die Mittel, und Spaß macht's auch. Aber die Outhere Brothers?!? Na gut, wenn dadurch so tolle Musik wie bei La Roux entsteht, dann hat das wohl auch alles seinen Sinn. Aber wie das halt so ist im Leben, gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Auf den Reunion-Wahn der Nineties-Bands hätten wir 2009 gut und gerne verzichtet.

Auf manches Comeback hätten wir gerne verzichtet

Mann, was da alles wieder zum Vorschein kam: Limp Bizkit mit ihrem Dicke-Hose-Rock, Faith No More, Rage Against The Machine, ja sogar Skin - die Frontfrau von Skunk Anansie - durfte mit ihrer Band wieder sentimental werden. Und auch die New-Metal-Kakerlaken von Papa Roach waren einfach nicht totzukriegen. Ganz schön anstrengend... Wenn dann auch noch zu lesen ist, dass es Creed noch einmal wissen wollen und man selbst vor deren Schmalz-Core nicht mehr sicher ist, dann wird es höchste Zeit, den Nostalgie-Planeten der Neunziger wieder zu verlassen, so schön es da auch manchmal ist, und hoffnungsvoll nach vorne zu schauen. Was uns das Jahr 2010 musiktechnisch wohl so alles beschert? Wir sind gespannt.