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18.12.2009 Permalink Weiterempfehlen

Das Beste aus 2009 // Poptrends Teil 5: Die Bajuwarisierung des Pop

Von Laury Reichart

Die Blaskapelle LaBrassBanda verkauft die Hallen aus, Schlachthofbronx spielen ihre Sets weltweit. 2009 hat die bayerische Volksmusik Einzug in die Clubs gehalten. Und da passt sie überraschend gut hin.

Bavarisierung

Gleich mal vorweg: Bayerische Volksmusik war schon immer Pop. Nichts anderes bedeutet ja der Name: Volksmusik. Dass in letzter Zeit immer mehr bayerische Musik, speziell Blasmusik, in der Popmusik und teilweise sogar in Hipster-Clubs auftaucht, hat verschiedene Gründe.

Einen entscheidenden Anteil daran hat mit Sicherheit der Hype um den sogenannten "Balkan-Brass" vor einigen Jahren. Ekstatische Tanzpartys werden zur Musik von Szenegrößen wie Boban Markovic und Goran Bregovic geschmissen - und von Popmusikern und DJs aus aller Welt entdeckt.

Auch LaBrassBanda aus dem Chiemgau, momentan einer der erfolgreichsten bayerischen Blasmusik-Exporte, wurden anfangs eher als Balkan-Brass-Band wahrgenommen, mischen aber schon immer bayerische Sounds mit solchen aus Bulgarien, Serbien oder Mazedonien und die wiederum mit funkigen Clubsounds. "So klingen eben fünf junge Musiker, die ihre bayerische Herkunft nicht verleugnen und doch immer Augen und Ohren offen halten für Neues", sagen LaBrassBanda selbst.

Dass bayerische Blasmusik besonders in Clubs gut funktioniert, ist eigentlich logisch: Schon vor Hunderten Jahren ist diese Musik fürs Tanzen gemacht worden und lässt sich - anders als der verschwurbeltere Balkan-Brass-Sound - großartig mit harten elektronischen Beats kombinieren. Die Münchner von der Schlachthofbronx machen es vor: Ihre Kollaboration mit der Blaskapelle G. Rag und die Landlergschwister bringt momentan Menschen zwischen Johannesburg und Oslo zum kollektiven ausrasten, wo die drei derzeit Woche für Woche auftreten.

Bayerische Volksmusik ist auch nicht erst seit ein paar Monaten cool. Das war sie schon immer. Immer politisch und mit einer ordentlichen Portion Ektase-Potential. Labels wie Trikont veröffentlichen schon seit Jahren hörenswerte Volksmusik, wie die des sogenannten "bayerischen Johnny Cash", dem Kraudn Sepp, der schon vor fast 100 Jahren seine politischen Gstanzln auf der Zither geschrieben hat.

Dass sich LaBrassBanda vor Konzertanfragen nicht mehr retten können oder die Landshuter Kein Vorspiel die Aufmerksamkeit der Musikpresse und der Popliebhaber auf die bayerische Volksmusik lenken, ist mit Sicherheit eine kleine Befreiung für die jungen Musiker, die verschämt daheim ihre Posaune oder Klarinette gespielt haben, um dann in der Indiekapelle den cooleren E-Bass zu zupfen.

Und mal ehrlich: Die brillianten Kofelgschroa aus Oberammergau, die Landlergschwister aus München und wie sie noch alle heißen, machen eigentlich einfach, was sie schon immer gemacht haben: Sich völlig selbstverständlich mit Freunden zum gemeinsamen Jammen, Saufen und Tanzen treffen. Mit Posaune, Tuba, Trompete, Klarinette, Zither und co. Der einzige Unterschied ist - und jetzt zitiere ich die Kofelgschroa-Myspace-Seite: "Seit kurzem interessiert sich eben auch der trendbewusste Stadtmensch dafür."