Film // A Serious Man : Jüdische Chaostage
Ein neuer Meisterstreich aus dem Hause Coen. Die Brüder liefern mit "A Serious Man" eine bitterböse Komödie ab. Ihr Opfer: Ein unbescholtener, jüdischer Spießbürger, der die irrationale Macht Gottes zu spüren bekommt.
Ende der 60er Jahre in einer amerikanischen Provinzstadt: Der jüdische Physikprofessor Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) führt ein beschauliches und scheinbar glückliches Dasein. Die Festanstellung an der Universität ist zum Greifen nahe, und auch sonst geht bei Larry alles seinen geregelten Gang. Plötzlich aber fängt sein wohlfein eingerichtetes Leben zu zerfallen an: Da möchte ein koreanischer Gaststudent sich eine bessere Klausurnote erkaufen, was Larry ablehnt. Darauf flattern anonyme Briefe in der Universitätsverwaltung ein, die Larry denunzieren und seine Anstellung bedrohen. Seine Frau Judith (Sari Lennick) verlangt die Scheidung, weil sie sich in den Nachbarn verliebt hat, und Larrys Kinder interessieren sich eigentlich für nichts und niemanden. Außer fürs Kiffen (der Sohn), oder eine Nasenoperation (die Tochter). Ganz zu schweigen von Larrys Bruder Arthur (Richard Kind), einem verkannten Mathematikgenie, das sich auf der häuslichen Couch eingerichtet hat und sich vor allem mit Manipulationsmethoden für Wetten beschäftigt, die wiederum auch das FBI interessieren. Kurz und gut, bei dieser geballten Ladung Unglück und Chaos sieht der gottesfürchtige Larry nur noch einen Ausweg: Er besucht seinen Rabbi.
Fegefeuer auf Erden
Wird einer scheinbar göttlichen Prüfung seines Glaubens unterzogen: Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg)

Bild: Tobis Film
Wird einer scheinbar göttlichen Prüfung seines Glaubens unterzogen: Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg)
Das kongeniale Brudergespann Ethan und Joel Coen bereist mit "A Serious Man" die eigene Vergangenheit. Aufgewachsen sind die beiden im jüdisch-amerikanischen Milieu Minnesotas. In ihrem neuen Werk verweben sie eigene Kindheitsanekdoten mit Motiven des Tanach, der heiligen Schrift des Judentums. Wie Hiob wird auch Larry scheinbar einer göttlichen Prüfung seines Glaubens unterzogen. Nur bleibt diese bei den Coens ohne wirklichen Ausgang und Larrys Leiden am Ende ohne Sinn. Die Brüder dekonstruieren mit perfider Häme Larrys Leben und lassen die Komödie immer wieder in die Gefilde eines apokalyptischen Dramas abgleiten. Eine Riege fantastischer Schauspieler wird hier von den zwei Eigenbrötlern durch einen Plot geprügelt, der vor Ideen, Sarkasmus und kaltblütiger Präzision zu bersten scheint. Das macht "A Serious Man" zu einem absurden Trip, wie ihn definitiv nur die Coens drehen können.
Das müsst ihr sehen: Verlierer auf der Leinwand
1. "The Big Lebowski" – Jeff Lebowski ist der Prototyp des selbstgenügsamen Losers. Ein bisschen Bowlen und ab und an einen Koitus. Und was zu Kiffen. Mehr braucht der Mann nicht.
2. "Rushmore" – Umtriebig, aber unbegabt. Rushmore ist ein Loser mit dickem Fell, der sich überall versucht und immer versagt. Bis er wirkliche Freunde findet.
3. "Clerks" – Jugendliche ohne Orientierung als Ladenhüter in der Provinz. In einem Drugstore trifft viel illustres Volk aufeinander. Und mitten drin steht Dante. Ein 22-Jähriger, dessen Leben nicht gerade perfekt läuft.


