"The next big thing" waren sie nie. Als The Raveonettes 2003 ihr Debüt "Chain Gang of Love" veröffentlichten, standen ihnen eine Menge großer Namen im Weg. The White Stripes etwa oder The Kills. Die betrieben damals nämlich schon seit einiger Zeit eine Neuordnung lange überlieferter Pop-Muster. Entmutigen lassen haben sich die Raveonettes davon aber nicht. Sie fühlten sich eher angespornt – und machten kräftig mit.
Weg von überproduzierten Songs hin zu neuer Härte und Raubeinigkeit. Ganz nebenbei machten uns The Raveonettes klar, dass zwei Personen eigentlich völlig ausreichen, um sich "Band" zu nennen. Gitarrist Sune Rose Wagner und Bassistin Sharin Foo teilen sich die Gesangs- und Kompositionsarbeit. Und so hatte auch das Duo aus Kopenhagen seinen gerechten Anteil am Garage-Sound, der in den letzten Jahren die Tanzflächen und Plattenregale füllte.
Genau wie die dänischen Dogma-Filmer schrieben die Raveonettes bei ihrer Gründung ein Manifest: Alle Songs, stand darin, sollten künftig in Moll geschrieben werden. In schöner Regelmäßigkeit, alle zwei Jahre, haben sie seitdem Alben veröffentlicht, zwischendurch gab es auch ein paar EPs. Und mit jeder Platte wechselten sie Musik und Posen.
Immer wieder neu

Bild: Camilla Stephan
Süße Mädchenchöre durchbrechen auf dem Album "In And Out Of Control" die Moll-Akkorde.
Manifest hin oder her: Die Raveonettes sind ein Pop-Chamäleon. Wo am Anfang noch eine schrammelige "Wall of Sound" stand, gibt es jetzt eine aufgeräumte Mischung aus Surf-Gitarren, DooWop und 80er-Jahre-Synthies. Süße Mädchenchöre schwingen auf dem ihrem 2010er Album "In And Out Of Control" mit. Sie verdecken die Texte, die immer noch so düster sind wie zu Beginn der Karriere. Die Band thematisiert falsche Lebenswege, Drogenmissbrauch und Selbstmord.
Vor der Veröffentlichung des neuen Albums durften Fans auf der Website des Raveonettes-Labels die Songentwürfe anhören und ihre Meinung äußern. Ob das Votum der Masse Einfluss auf die Platte genommen hat, ist nicht bekannt. Sune Wagner und Sharin Foo sagen aber, es sei das beste Album ihrer Geschichte. Zumindest bis zur nächsten Wandlung.
