Vorgestellt // Kristof Magnusson : Krise Hoch Drei
Von Johannes DobroschkeLiebe in Zeiten der Rezession: Autor Kristof Magnusson erzählt in seinem Roman "Das war ich nicht" von drei ganz unterschiedlichen Menschen, deren Schicksale sich plötzlich miteinander verstricken.
Meike haut ab. Sie hat keine Lust mehr auf ihre Freunde, die immer bürgerlicher werden und auf ihr altes Leben, das auch auf dem besten Weg dahin war. Sie flieht vor Hund, Kind und Weinklimaschrank aufs Land. Henry LaMarck haut auch ab. Er wird 60, fühlt sich deshalb sowieso schon alt und da wollen sie ihm, dem berühmten Schriftsteller, auch noch eine Art Lebenswerkpreis verleihen. Außerdem wartet die ganze Welt auf seinen neuen Roman, das Problem: Er hat noch keine einzige Seite geschrieben. Jasper haut nicht ab, er wird gefeuert. Alles wollte er richtig machen in seinem Bankjob in Chicago, stattdessen hat er alles an die Wand gefahren. Jetzt ist er Schuld an einem Bankencrash.
Das Schicksal als Kupplerin
Die drei Protagonisten in Kristof Magnussons Buch "Ich war’s nicht" haben viel gemeinsam und zunächst doch nichts miteinander zu tun. Aber dann führt das Schicksal sie zusammen. Henry LeMarck verliebt sich in Jasper, als er sein Foto in der Zeitung sieht, und macht sich für ihn auf nach Chicago. Meike macht sich auch auf nach Chicago auf der Suche nach LeMarck und dessen Buch. Als seine Übersetzerin braucht sie nämlich dringend das Geld. Also kreuzen sich die Wege der drei und Jasper verliebt sich zu allem Überfluss noch in Meike.
Relaxt reflektieren
"Ich war's nicht" ist ein unterhaltsamer Episodenroman, der aber nie seicht wird. Er thematisiert viele Probleme, aktuelle wie die Bankenkrise, zu der Kristof Magnusson als Halb-Isländer natürlich eine besondere Beziehung hat, aber auch zeitlose, wie das Älterwerden oder die ewige Sinnsuche des Lebens. Kristof Magnusson erzählt mit viel Tempo und sehr ideenreich, etwa wenn die Städterin Meike beim Holzhacken auf dem Land unfreiwillig eine Slapsticknummer hinlegt. Die Personen sind lebensnah und man kann sich gut in ihre Gedankenwelt einfühlen, sogar in den ehrgeizigen Jasper, der innen natürlich viel weicher ist, als er zugeben würde.
Kristof Magnusson
...wurde 1976 in Hamburg geboren. Nach einer Ausbildung zum Kirchenmusiker studierte er Literatur in Leipzig und Reykjavik. Seine Theaterkomödie "Männerhort" wurde 2003 uraufgeführt und seitdem in über 30 Theatern weltweit gespielt. 2005 erschien Magnussons erster Roman "Zuhause". "Das war ich nicht" ist sein zweites Buch und wurde im Januar 2010 veröffentlicht.
