Film // Up in the Air : Clooney kriegt die Krise
Sechs Oscar Nominierungen kommen nicht von ungefähr. In "Up in the Air" trifft Melancholie auf Heiterkeit, harter sozialer Realismus auf poetische Magie. Und dazu noch George Clooney.
Ryan Bingham (George Clooney) ist flexibel. Er hat keine Wohnung, sondern eher eine Abstellkammer, zu Hause ist er ohnehin nie. Er hat keine Freunde, sondern Zufallsbekanntschaften, und seine Familie weiß auch kaum mehr wie er aussieht. Ryans eigentliche Lebensaufgabe besteht darin, als einer der wenigen Erdbewohner über zehn Millionen Flugmeilen zu sammeln und damit in den Besitz einer limitierten Businesskarte zu kommen.
Schön, dass Ryan einen Job hat, der ihn das ganze Jahr quer durch die Vereinigten Staaten reisen lässt. Denn Ryan ist professioneller Rausschmeißer für insolvente Unternehmen, deren Chefetagen die Drecksarbeit selber nicht übernehmen wollen.
So läuft auch alles perfekt in Ryans Leben: Die Wirtschaft ist am Ende, Kündigungen deshalb an der Tagesordnung und die Flugmeilenschallmauer so auch in Sichtweite. Doch plötzlich treten zwei Frauen in Ryans Leben und bringen dessen Philosophie der Heimatlosigkeit ins Wanken.
Nur keine Verbindlichkeiten

Bild: DW Studios LLC und Cold Sping Pictures
George Clooney und Vera Farmiga in Jason Reitmans Film "Up In The Air".
"Up in the Air" ist ein Film aus dem Herzen der Wirtschaftskrise. Gekündigte Menschen blicken verzweifelt in die Kamera, lassen ihrer Fassungslosigkeit und Zukunftsangst freien Lauf. Dabei handelt es sich nicht um gecastete Schauspieler, sondern echte Menschen, die immer im Laufe der Handlung auftauchen. Ein bewusstes Stilmittel von Regisseur Jason Reitman, der für seinen Film viel recherchiert hat und die Betroffenen der Situation selbst sprechen lassen wollte.
Ihnen gegenüber steht mit einem George Clooney der All-American-Hollywood-Star und das personifizierte Erfolgsmodell. Ihm hat Reitman die Rolle des Ryan Bingham perfekt auf den Leib geschrieben. So ist zu Beginn des Films Bingham auch ein menschlich unverbindlicher Einzelgänger, ein von einem materiellen Lebenstraum getriebener Nomade, der sich aber im Verlaufe des Films immer mehr eingestehen muss, dass in seinem Leben eine große Leere herrscht. "Up in the Air" ist die perfekte Mischung aus melancholischem Drama, feiner Ironie, pointierten Dialogen und charismatischem Schauspiel. Jason Reitman ist ein wunderbarer Autor und Regisseur. Und noch viel wichtiger: Er hat wirklich etwas zu erzählen.
Das müsst ihr sehen: die Filme der Familie Reitman
1. "Ghostbusters" – Jasons Vater Ivan Reitman hat mit "Ghostbusters" einen definitiven Kultfilm geschaffen. Dan Aykroyd, Bill Murray und Harold Ramis nehmen den Kampf gegen die Geisterwelt auf.
2. "Thank You For Smoking" – Was redet ein Lobbyist der Tabakindustrie beim Lunch mit zwei Kollegen aus der Waffen- und der Alkoholindustrie? In diesem Film könnt ihr es erfahren.
3. "Juno" – Die sechzehn jährige Juno ist schwanger. Sie beschließt, das Kind zur Adoption freizugeben. Ein Film voller Verwirrungen, gescheiterter Träume und Unsicherheiten und dennoch nie deprimierend.


